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Wieso Phoenix fälschlich den AfD-Ausschluss in NRW meldete

Aufregung um eine falsche AfD-Meldung bei Phoenix. Die Redaktion erfuhr auf Twitter, dass sie den Ausschluss in NRW von der Wahl meldete.

Auf phoenix.de war zu lesen, dass die AfD in NRW nicht mit einer Landesliste zur Bundestagswahl antreten darf. Eine Meldung, die dem Sender zufolge automatisiert veröffentlicht wurde.

Auf phoenix.de war zu lesen, dass die AfD in NRW nicht mit einer Landesliste zur Bundestagswahl antreten darf. Eine Meldung, die dem Sender zufolge automatisiert veröffentlicht wurde.

Foto: Screenshot Tomasz Froelich

Hamburg/Bonn.  Darf sie zur Bundestagswahl mit einer Landesliste in NRW antreten oder darf sie nicht? In die Anspannung vieler AfD-Anhänger platzte am Freitag eine Meldung des Senders Phoenix – oder auch der Screenshot davon: Der Sender meldete dort fälschlich, dass es schief gegangen ist für die Partei. Anhänger der Partei nutzten es für „Lügenpresse“-Attacken, der Sender spricht von einem Technikproblem, das dadurch auffiel. Wir erklären, wie es dazu gekommen ist.

Es war 13.07 Uhr, als der Screenshot entstand: „AfD verliert Zulassung ihrer Landeslisten für die Bundestagswahl“ stand da in einem Artikel auf phoenix.de. Drei Minuten später kamen die ersten Eilmeldungen: Die AfD-Landesliste in NRW ist zur Bundestagswahl zugelassen. Die Meldung auf der Seite von Phoenix war falsch.

Über Suchmaschinen zu finden

„Wir haben davon durch Tweets erfahren und waren fassungslos“, erklärte unserer Redaktion Gregor Mayer, Leiter Online von Phoenix. Drei Mitarbeiter seien in der Online-Redaktion gewesen, als der Fehler offenkundig wurde. Mayer hat herausgefunden: Durch einen automatischen Prozess ist der Text veröffentlicht worden und war über Suchmaschinen auffindbar. Die Redaktion hatte zwei Versionen vorbereitet – bei planbaren Ereignissen nicht unüblich. Die richtige sollte veröffentlicht werden.

Da war Tomasz Froelich, Büroleiter von AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen, die falsche schon aufgefallen. Wenige Augenblicke nach dem Bekanntwerden der Entscheidung twitterte er das Foto des Phoenix-Artikels. „Oh Gott, wie peinlich, @phoenix_de!“, schrieb er. „Fake News, und dafür zahlt man #Rundfunkbeitrag!“

Weitere Screenshots anderer Nutzer belegten die Echtheit seines Fotos. Für Kritiker des öffentlich-rechtlichen Senders aus dem rechtspopulistischen Lager war der Zwischenfall eine Steilvorlage. Danach gab es aus dem Spektrum der Partei zahlreiche Tweets mit „Lügenpresse“-Vorwürfen. Vielen Nutzern dürfte allerdings bewusst gewesen sein, dass der Sender keine völlig falsche Meldung absichtlich veröffentlicht.

Problem bestand seit 48 Stunden

„Wir bedauern den Vorfall sehr“, sagt Mayer. In einer Mitteilung schrieb Phoenix: „Dass man auf die Backend-Versionen – scheinbar durch eine gezielte Web-Suche – zugreifen konnte, ist ein technischer Fehler, das sollte so nicht möglich sein.“ Mit der Backend-Version ist der Artikel gemeint, wie er im Bearbeitungsstatus aussieht.

Mayer erklärte genauere Hintergründe: „Wir haben das Problem mit anderen Texten nachvollziehen können.“ Demnach seien 48 Stunden lang Meldungen von dem Redaktionssystem ungewollt automatisch veröffentlicht worden – auch die falsche Fassung der AfD-Meldung. Über die Seiten-Navigation seien die Texte nicht aufzurufen gewesen, über die Google-Suche schon. Der Text sei kaum abgerufen worden und nur wenige Minuten online gewesen.

Die Automatisierung hat phoenix.de nun deaktiviert, die Redaktion arbeite jetzt stärker händisch. „Wir haben einen Riegel vorgeschoben.“ (law)