Festnahme

Amnesty-Mitarbeitern in Türkei droht nun Untersuchungshaft

Vor zwei Wochen wurden führende Amnesty-Mitarbeiter in der Türkei festgenommen. Nun fordert die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft.

Putschversuch in der Türkei: Darum kommt das Land nicht zur Ruhe

Am 15. Juli 2016 begannen Teile des türkischen Militärs einen Putsch. Dieser wurde einen Tag später niedergeschlagen. Seitdem ist das Land in Aufruhr - das sind die Gründe.
Di, 11.07.2017, 19.01 Uhr

Putschversuch in der Türkei: Darum kommt das Land nicht zur Ruhe

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Istanbul.  Knapp zwei Wochen nach ihrer Festnahme in der Türkei hat die Staatsanwaltschaft in Istanbul Untersuchungshaft für zehn Menschenrechtler gefordert. Darunter sind neben der Türkei-Direktorin von Amnesty International, Idil Eser, auch ein Deutscher und ein Schwede.

Der Türkei-Experte von Amnesty International, Andrew Gardner, sagte der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht zu Dienstag, die Staatsanwaltschaft werfe den Betroffenen vor, eine Terrororganisation unterstützt zu haben, ohne deren Mitglied zu sein. Unklar sei, um welche Terrororganisation es sich handeln solle.

Untersuchungshaft ist bis zu fünf Jahre möglich

Gardner – der sich am Gericht aufhielt – sagte, eine Entscheidung des Haftrichters werde in der Nacht oder am Dienstagmorgen erwartet. Untersuchungshaft kann in der Türkei bis zu fünf Jahre andauern.

Die acht türkischen und zwei ausländischen Menschenrechtler waren am vorvergangenen Mittwoch bei einem Workshop zum Thema "Digitale Sicherheit und Informationsmanagement" auf einer der Prinzeninseln Istanbuls festgenommen worden. Der Deutsche und der Schwede waren als Referenten bei dem Workshop.

Erdogan rückte die Menschenrechtler in die Nähe von Putschisten

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Menschenrechtler in die Nähe der Putschisten vom 15. Juli vergangenen Jahres gerückt. Beim G20-Gipfel in Hamburg hatte er gesagt, die Versammlung, bei der sie festgenommen wurden, habe "dem Charakter einer Fortsetzung des 15. Juli" entsprochen. Erdogan macht die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft ist.

Erst im Juni war der Landesvorsitzende von Amnesty in der Türkei, Taner Kilic, in Untersuchungshaft genommen worden. Ihm werden Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen. Auch der deutsch-türkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel und die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu Corlu sitzen derzeit in der Türkei wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft. (dpa)

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