Deniz Yücel

"Schreibt Deniz bitte Briefe auf Türkisch ins Gefängnis"

Der „Welt“-Journalist Deniz Yücel ist seit 150 Tagen in U-Haft. Seine Frau Dilek appelliert an die Leser: „Schreibt ihm auf Türkisch!“

Der Fall Deniz Yücel - Eine Chronik

Seit dem 14. Februar sitzt der Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft. Doch was wird ihm vorgeworfen und welche Reaktionen gab es auf seine Inhaftierung? Eine Chronik zum Fall Yücel.
Do, 13.07.2017, 17.07 Uhr

Der Fall Deniz Yücel - Eine Chronik

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Berlin.  150 Tage ist es her, dass der deutsche Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Untersuchungshaft kam. Seither sitzt er in Einzelhaft in Silivri, 70 Kilometer von Istanbul entfernt. Über seinen Alltag hat er mehrfach geschrieben, seine Texte hatte er den Anwälten diktiert.

Nun meldet sich auch seine Frau zu Wort. In einem Text in der "Welt", Yücels Arbeitgeber, ruft seine Frau Dilek Mayatürk Yücel dazu auf, dem Journalisten Briefe auf Türkisch ins Gefängnis zu schicken.

"Schreibt falsche Sätze, vertut euch, alles kein Problem"

Postkarten auf Deutsch würde ihr Mann nicht bekommen, schreibt sie. "Die Briefkontrollkommission weigert sich, ihm die Postkarten auszuhändigen, die von euch unermüdlich an ihn geschickt werden", schreibt Dilek Mayatürk Yücel mit Verweis auf eine Aktion der "Welt", die dazu aufgerufen hatte, Postkarten zu schicken. Die Begründung der Haftanstalt sei, dass die Karten "in einer Fremdsprache abgefasst" seien.

Deswegen nun auf Türkisch. "Mir fällt nichts anderes mehr ein, als dass wir jetzt alle zusammen türkische Briefe schicken sollten", schreibt seine Frau. Egal ob mit Wörterbuch oder Unterstützung von Freunden, Kollegen oder Google – "schreibt falsche Sätze, vertut euch, alles kein Problem. Macht euch keine Sorgen: Mein Deutsch ist auch nicht so toll." Die Briefe würden ihren Mann bestimmt zum Lächeln bringen.

"Jeder Brief von euch soll ein Tropfen sein"

Dilek Mayatürk Yücel gibt zudem Hinweise, was in den Briefen stehen soll: "Ich bitte euch, in euren Briefen vom Alltagsleben zu berichten!", schreibt sie. Was in der Welt passiere wisse Deniz, er bekomme Zeitungen und habe einen Fernseher. "Schreibt Deniz frische, poetische Briefe. Schreibt ihm Teile aus Büchern ab, die ihr mögt, erzählt ihm von historischen Orten, die von der Unesco als Weltkulturerbe gelistet sind. Er mag solche Dinge, er interessiert sich für Geschichte und archäologische Stätten."

Sie schließt mit einem emotionalen Appell: "Ich bitte euch, Deniz andauernd und ohne zu schwächeln zu schreiben. Denn steter Tropfen höhlt den Stein, es muss kein starker Strom sein. Bis Deniz frei ist, soll jeder Brief von euch ein Tropfen sein!"

Erdogan lehnt Freilassung ab

Deniz Jücel ist seit Mitte Februar in der Türkei im Gefängnis . Eine Anklage gibt es nicht. Ihm wird in der Türkei Terrorunterstützung vorgeworfen. Yücel ist deutscher Staatsbürger, hat aber auch einen türkischen Pass. Seine Anwälte legen gegen die Inhaftierung Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein, darauf hofft auch die Bundesregierung . Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betont jedoch, Yücel werde nicht freikommen, solange er Präsident sei. (sdo)

Wer Deniz Yücel schreiben möchte, das ist seine Adresse:

Ilker Deniz Yücel – Silivri Kapali Ceza Infaz Kurumu – 9 Numarali Kogus, B6/54 – Silivri – Istanbul, Türkei.

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