Hamburg

Eine Bootsfahrt mit Herrn Sauer

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Protestierer verhindern, dass US-First Lady Melania Trump beim Hafenausflug für die Ehepartner der Gipfelteilnehmer dabei sein kann

Hamburg. Möwen kreischen, Hafenkräne glitzern im Sonnenschein, einige Damen tragen Sonnenbrille: Mit der Hafenrundfahrt beginnt das Programm für die Partner der G20-Teilnehmer am Freitag verheißungsvoll. Doch wo ist First Lady Melania Trump? Hat sie verschlafen? Nein. Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump wird an diesem Morgen von Demonstranten an der Teilnahme gehindert.

Melania Trump sitzt stundenlang in ihrer Unterkunft an der Außenalster fest. Die Polizei habe keine Sicherheitsfreigabe erteilt, erklärt ihre Sprecherin. Dabei habe sich die First Lady sehr auf die Aktivitäten mit den anderen Partnern gefreut. „Meine Gedanken sind bei denen, die bei den Protesten in Hamburg verletzt wurden. Ich hoffe, dass alle sicher bleiben“, twittert Melania Trump aus dem Gästehaus des Hamburger Senats.

Nach der Hafenrundfahrt müssen auch die anderen Ehefrauen und Ehemänner der Staats- und Regierungschefs umplanen. Angesichts der Krawalle in der Stadt wird ein Besuch des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) kurzerhand umdisponiert. Deren Wissenschaftler halten ihre Klima-Vorträge schließlich im Hotel „Atlantic“ vor der illustren Gruppe.

Während der Gipfel bis dahin eher düstere Bilder lieferte, sorgt das Partnerprogramm für sommerliche Leichtigkeit: An Bord des Ausflugsschiffs „Diplomat“ steht lächelnd Joachim Sauer, Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gastgeber der Lebensgefährten. Mit dabei ist auch Hadrien Trudeau, der kleine Sohn des kanadischen Premierministers, der schon bei seiner Ankunft am Flughafen mit seinem Blondschopf die Fotografen entzückt hatte.

Hadriens „Maman“ Sophie Gré­goire hat für den Bootsausflug ein helles Etuikleid gewählt, Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten, kommt im lachsfarbenen kurzen Kleid. Für einen längeren Rocksaum entschied sich die Frau des argentinischen Staatspräsidenten, Juliana Awada – sie trägt ein luftiges Sommerkleid mit großem Blumenmuster, und alle drei tragen große, schicke Sonnenbrillen.

Bei der Ankunft am Fähranleger Dockland wirken Gastgeber Joachim Sauer und seine Gäste gelöst, sie lächeln, winken in die Kameras. Sauer, von seiner Ehefrau Angela Merkel einmal als „sehr ruhiger Typ“ bezeichnet, hält sich souverän in der deutlich weiblichen Überzahl. Die Männer sind diesmal immerhin zu dritt: Sauer, Philip May, der Mann der britischen Premierministerin Theresa May, und Xavier Giocanti, der Lebensgefährte der IWF-Chefin Christine Lagarde.

Nach dem Mittagessen im „Fischerei-Hafenrestaurant“, das bekannt ist für Gourmet-Menüs mit Carpaccio von der Eismeerforelle oder argentinischen Wildgarnelen, kommt die Routenänderung. Statt zum Klimazentrum, das mitten in der Demo-Zone liegt, geht es ins Hotel „Atlantic“. Dort folgt ein Teil der Gruppe den Ausführungen von DKRZ-Chef Thomas Ludwig, die sich Quantenchemiker Sauer gewünscht hatte. Trudeau junior ist nicht mehr dabei.

Am Abend stand für die Gruppe ein Konzert in der Elbphilharmonie und ein Abendessen an – diesmal wieder zusammen mit den Ehepartnern. Auf Wunsch der Kanzlerin sollte das Staatsorchester Hamburg Beethovens „9. Sinfonie“ spielen. Das Hauptthema des letzten Satzes ist die Hymne der Europäischen Union. Die Zeile „Alle Menschen werden Brüder!“ gilt als Bekenntnis zur Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

( dpa )