Trump-Berater

Jared Kushner plante offenbar einen Geheimkanal zum Kreml

Jared Kushner soll mit Russland einen diskreten Kommunikationskanal geplant haben. Trumps Schwiegersohn schweigt trotz des Aufruhrs.

Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner steht unter Verdacht, Anfang Dezember 2016 mit Russlands US-Botschafter Sergej Kisljak ein heikles Thema erörtert zu haben.

Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner steht unter Verdacht, Anfang Dezember 2016 mit Russlands US-Botschafter Sergej Kisljak ein heikles Thema erörtert zu haben.

Foto: JIM BOURG / REUTERS

Washington.  Hätte den Drehbuchschreibern des TV-Polit-Intrigantenstadls „House of Cards“, der ab Dienstag seinen fünften Aufguss erfährt, jemand diese Storyline angeboten, die Frank Underwood-Macher wären wohl kopfschüttelnd davongelaufen. Zu realitätsfremd wäre ihnen das alles wohl erschienen. Jared Kushner, der Schwiegersohn des amerikanischen Präsidenten, hat versucht, zwischen Kreml und Donald Trump einen geheimen Kommunikationskanal einzurichten – und ist dabei erwischt worden.

Was sich wie eine überdrehte Fantasie anhört, hat sich nach Angaben von US-Geheimdienstlern, die der „Washington Post“ und anderen Medien Auskunft gaben, genau so zugetragen. Demnach hat der 36-jährige Immobilien-Entwickler, der als Trumps engster Vertrauter eine Schlüsselposition im Weißen Haus besitzt, Anfang Dezember 2016 mit Russlands US-Botschafter Sergej Kisljak ein heikles Thema erörtert: Wie könnte man eine diskrete Gesprächsebene zwischen Trump und Präsident Putin schaffen, die sich komplett dem Zugriff von Geheimdiensten und Diplomaten entziehen lässt?

Geheimdienst-Experten: Kushners Idee ist „naiv“ und „verrückt“

Zur „Verblüffung“ Kisljaks, der wie Putin mit dem Spionage-Gewerbe vertraut ist und um die Sensibilität solcher Aktivitäten weiß, schlug der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka vor, für die konspirative Kommunikation eine russische Niederlassung in den USA zu benutzen.

Kisljak trug das Ansinnen, das US-Geheimdienstfachleute als „naiv“ bis „verrückt“ bezeichnen, nach Moskau weiter. Dabei soll es „abgefischt“ worden sein. Die Washington Post berichtet, dass das ursprüngliche Gespräch Kushner/Kisljak in Trumps Büro-Tower in Manhattan nicht von der US-Lauschbehörde NSA abgehört worden war.

Draht für wirtschaftliche Annäherung zwischen Moskau und Washington?

Von dem Hinterzimmer-Kanal sollte laut New York Times auch Ex-General Michael Flynn profitieren, der gerade erst über seine Lügen in der Causa Russland gestolpert ist. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Trumps sollte auf diesem Weg mit den Russen einen engen Austausch über den Krieg in Syrien pflegen können, sagten US-Geheimdienstler der Zeitung.

Nicht ausgeschlossen wird aber von US-Geheimdiensten, dass der kurze Draht auch dazu dienen sollte, eine spezifische wirtschaftliche Annäherung zwischen Moskau und Washington auszuloten. Der Gedanke: Falls die USA unter Trump die Sanktionen gegen Russland wegen der Krim-Annexion lockern würden, könnten russische Banken Immobilien-Projekte von Trump und seiner Familie finanzieren.

Trump und Kushner schweigen

In US-Medien werden die Berichte als „Bombe“ bezeichnet. Detailliert Stellung genommen haben bislang aber weder Kushner noch Trump, der am Samstagabend von seiner ersten Auslandsreise in Washington zurückerwartet wurde.

„Böse Deutsche“: Was hat Trump wirklich gesagt?
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Weil Kushner von der Bundespolizei FBI als „Person des Interesses“ in der Affäre um die mutmaßliche Zusammenarbeit von Trump-Leuten und Kreml während der US-Wahl 2016 eingestuft wird, bekommt die Angelegenheit zusätzliche Sprengkraft. Es wird damit gerechnet, das sich der vom Justizministerium eingesetzte Sonder-Ermittler Robert Mueller zügig mit dem Sachverhalt befassen wird.

Kushners Rolle beim Rauswurf von FBI-Chef James Comey

Da Kushner seine Kontakte mit russischen Stellen über Monate verschwiegen hat (erst gestern kam heraus, dass er weit öfter mit Botschafter Kisljak korrespondierte als bisher bekannt war), wächst der Eindruck, dass das Weiße Haus in Sachen Russland „tatsächlich etwas zu verbergen hat“, sagten Analysten im US-Fernsehen.

So erkläre sich dann womöglich auch, warum Kushner die treibende Kraft für den Rauswurf von FBI-Chef James Comey gewesen sein soll. Auch die Einsetzung des Ex-FBI-Chefs Mueller als Sonder-Ermittler behagte dem aus New Jersey stammenden Multi-Millionär dem Vernehmen nach nicht. Er verlangte einen politischen Konter von seinem Schwiegervater. Doch der bleibt bislang aus.

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