Paris

„Bibi“ ist die Liebe seines Lebens

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Peter Heusch

Brigitte Macron, 25 Jahre älter als ihr Gatte Emmanuel, will Frankreichs neue First Lady werden

Paris.  Er ist nicht einmal vierzig Jahre alt und kinderlos, sie bereits siebenfache Großmutter. Brigitte Macron, die elegante und selbstbewusste Frau an der Seite des Überfliegers, der Frankreichs jüngster Präsident werden könnte, ist ein Vierteljahrhundert älter als ihr Ehemann Emmanuel. Doch dass sich die Klatschpresse das Maul zerreißt über diesen Altersunterschied, stört die Première Dame in spe nicht die Bohne.

„Brigitte, Brigitte“ skandieren Hunderte Menschen in der Messehalle an der Pariser Porte de Versailles, als dort Emmanuel Macron Hand in Hand mit seiner Frau die Bühne betritt. „Bibi“, wie sie ihr Mann zärtlich nennt, strahlt und wirft Kusshändchen ins Publikum, das Emmanuels Sieg in der ersten Runde der Präsidentenwahlen feiert. Als er dann Brigitte in seine Arme zieht und ruft „Ohne sie wäre ich nicht ich!“, erreicht der Jubel seinen Höhepunkt.

Die schlanke, stets braun gebrannte 64-Jährige nimmt an jeder Wahlkampfveranstaltung des früheren Wirtschaftsministers teil. Egal in welchem Winkel des Landes der smarte 39-Jährige auftritt: Brigitte ist dabei – vor und hinter den Kulissen. Sie gehört dem Strategieteam ihres Mannes an, geht seine Reden durch und regelt die Details seiner Auftritte, die sie stets in der ersten Sitzreihe verfolgt. Während alle anderen Kandidatengattinnen diskret im Hintergrund geblieben sind, hat sich „Bibi“ von Anfang an mit Engagement in Macrons Kampagne gestürzt.

Setzt sich Macron bei der Stichwahl am kommenden Sonntag gegen Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Front National durch, wird wohl niemand behaupten können, dass Frankreichs First Lady ein bloßes Anhängsel des Präsidenten ist. Sie sei die starke Frau hinter einem starken Mann, heißt es aus dem engeren Bekanntenkreis der Macrons. Spitzere Zungen kritisieren indes den viel zu großen Einfluss, den die Ex-Lehrerin auf ihren Meisterschüler habe. Oder ihr angeblich viel zu loses Mundwerk, mit dem sie ihrem Mann ständig reinrede. Emmanuel Macron dagegen beschreibt die Beziehung zu seiner Frau als „symbiotische Komplizenschaft“.

Kennengelernt haben sich die beiden an einem Jesuitengymnasium im nordfranzösischen Amiens. Brigitte Trogneux – damals 39, verheiratet mit einem Banker und dreifache Mutter – unterrichtete dort Französisch und Latein. Der erst 15-jährige Arztsohn Emmanuel besuchte die gleiche Klasse wie Brigittes jüngste Tochter Tiphaine – und eine von der Lehrerin geleitete Theatergruppe.

Es begann mit einer Liaison zwischen Lehrerin und Schüler

Verliebt haben sich die beiden wohl bei der gemeinsamen Vorbereitung einer Theatervorstellung, auch wenn der genaue Zeitpunkt ihr Geheimnis bleibt. In jedem Fall aber hätte die Liaison zwischen Lehrerin und Schüler, wäre sie bekannt geworden, für einen beträchtlichen Skandal gesorgt. Brigitte überzeugt den hochbegabten Emmanuel daher, Amiens zu verlassen und an das Pariser Elitegymnasium Henri IV zu wechseln. Es half nichts: „Sie werden mich nicht los, ich werde zurückkommen, um Sie zu heiraten“, soll der Jüngling ihr beim Abschied gesagt haben. Und er hält sein Versprechen. 2007 ehelicht Macron seine mittlerweile von ihrem ersten Mann geschiedene Brigitte. In den folgenden Jahren begleitet sie die steile Karriere ihres Mannes, der erst der Finanzinspektion angehört, dann als Investmentbanker reich wird und schließlich persönlicher Berater von Staatschef François Hollande wird, der ihn 2014 zum Wirtschaftsminister ernennt.

Auf Brigitte Macron wird die französische Öffentlichkeit jedoch erst aufmerksam, als sie ihren Mann 2015 auf einen großen Empfang im Élysée-Palast begleitet. Dem allgemeinen Erstaunen folgen die Sticheleien der Medien über ein Regierungsmitglied, dessen Frau Kinder hat, die so alt sind wie er. Oder über die Vorliebe für ausgefallene Designermode der „Großmutter an Macrons Seite“, die „in allzu kurzen Röcken und mit zu hohen Absätzen“ über ihr Rentenalter hinwegzutäuschen versuche. Doch Brigitte, die rasch ähnlich populär wird wie ihr Gatte, begegnet der Häme mit Humor und feixt gegenüber Journalisten: „Ich hoffe, Emmanuel beeilt sich und wird schon 2017 Präsident. Denn wer weiß, welches Gesicht ich 2022 haben werde!“

Trotzdem geht der anstrengende Wahlkampf nicht spurlos an der energischen Ex-Lehrerin vorbei. „Man muss lernen, damit zu leben, von allen Seiten kritisiert zu werden“, gibt sie in einem ihrer seltenen Interviews zu. Auch Gerüchte über eine angebliche Homosexualität Macrons, die von russischen Medien gestreut wurden, dürften sie getroffen haben. Das aber hindert die Tochter eines angesehenen Schokoladenhändlers keineswegs daran, offen über eine mögliche Untreue ihres Mannes zu sprechen: „Wenn Emmanuel mich eines Tages betrügen sollte, dann weil er wirklich verliebt ist. Er ist kein Mann für Abenteuer.“