Integration

Merkel verteidigt Doppelpass gegen Kritik auch aus der CDU

Wie loyal ein Bürger Deutschland gegenüber ist, hängt nicht daran, ob er einen Doppelpass hat, sagt die Kanzlerin in einem Interview.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Wahlkampfauftritt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Wahlkampfauftritt.

Foto: Markus Scholz / dpa

Hannover.  Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die doppelte Staatsbürgerschaft gegen Kritik auch aus den eigenen Reihen verteidigt. „Ein Türkischstämmiger mit Doppelpass kann ebenso loyal zu Deutschland stehen wie ein Türkischstämmiger, der nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Frage müsse sein, „wie wir Menschen schon möglichst früh von unserer Art zu leben, unserem Grundgesetz, unseren Werten überzeugen“, sagte Merkel weiter. Die Forderungen nach strengeren Regeln beim Doppelpass waren nach der Zustimmung einer Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken zum umstrittenen Präsidialsystem in der Türkei wieder lauter geworden.

Innenminister hatte Entscheidung für Nationalität vorgeschlagen

Einem Kompromissvorschlag von Innenminister Thomas de Maizière zufolge könnten spätere Kinder- und Enkelgenerationen wieder gezwungen werden, sich für einen von beiden Pässen zu entscheiden, damit sich das Recht auf den Doppelpass nicht endlos vererbt, auch wenn die Familie schon seit Generationen in Deutschland lebt und wie die Kinder auch die Enkel hier geboren sind.

Im bevorstehenden Wahlkampf werde über alles gesprochen, was die Menschen für wichtig halten“, betonte Merkel. „Das Thema Staatsbürgerschaft gehört mit dazu, aber es ist sicher nicht das entscheidende“, sagte Merkel.

Merkel lobt „gute Arbeitsbeziehung“ zu Donald Trump

Merkel hat ihr Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump als „gute Arbeitsbeziehung“ beschrieben. Dies schließe unterschiedliche Standpunkte „definitiv“ nicht aus, sagte Merkel in dem Interview. „Wenn wir miteinander sprechen, geht es zum Beispiel darum, ein gemeinsames Vorgehen im Ukrainekonflikt oder zum entsetzlichen Krieg in Syrien zu entwickeln.“

Weitere Themen seien der Antiterrorkampf oder die Lage im Jemen. „Wenn wir sie lösen wollen, wenn wir Menschen helfen wollen, brauchen wir das starke Engagement der USA.“ Merkel fügte hinzu, sie schließe nicht aus, dass sich die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA „eines Tages“ wiederbeleben ließen. „Der US-Präsident fordert faire Bedingungen aus der Sicht seines Landes und wir achten selbstverständlich auf die deutschen und europäischen Anliegen.“

Merkel betonte in dem Interview auch erneut, es habe sie gefreut, dass die Präsidententochter Ivanka Trump an dem Women20-Dialogforum im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft teilgenommen habe. (dpa/rtr)