Grande-Synthe

Flüchtlinge verwüsten ihr Lager in Nordfrankreich

Grande-Synthe.  Ein Flüchtlingslager in Nordfrankreich ist bei Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Afghanen in Flammen aufgegangen. Der Großteil der Holzhütten in dem Lager in Grande-Synthe bei Dünkirchen sei zerstört worden, sagte Präfekt Michel Lalande. Bewohner des Lagers hätten das Feuer gelegt. Die ersten Schlägereien seien bereits am Montagnachmittag ausgebrochen.

Das Lager war vor etwas mehr als einem Jahr von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) und der Stadt Grande-Synthe eingerichtet worden. Es sollte internationalen Standards genügen und eine anständige Unterbringung ermöglichen: Die 300 Holzhütten ersetzten ein wildes Zeltlager, in dem sich Hunderte Flüchtlinge unter erbärmlichen Umständen aufgehalten hatten. Der Staat hatte das Projekt anfangs kritisch beäugt, dann aber doch den Betrieb finanziert. MSF zog sich jedoch vor einigen Monaten zurück und kritisierte den zunehmenden Druck der Behörden. Innenminister Bruno Le Roux hatte erst vor einigen Wochen inakzeptable Zustände beklagt, darunter die Erpressung von Geld für den Zugang zu den Duschen. Der Staat verlängerte Mitte März die Finanzierung des Camps bis Ende August – unter der Bedingung, die Zahl der Bewohner auf 700 zu reduzieren und das Lager besser zu sichern, um gegen Schleuser vorgehen zu können. Das Feuer könnte nun das Ende des Projekts besiegeln. Der Präfekt sagte, nach den Ereignissen der Nacht sehe er nicht, wie dort wieder ein Lager eingerichtet werden könne.

In Nordfrankreich sammeln sich immer wieder Migranten, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen. In dem Camp sollen zuletzt rund 1500 Menschen gelebt haben. Grande-Synthe liegt rund 30 Kilometer Luftlinie von Calais, wo die Behörden im vergangenen Jahr ein riesiges Elendslager geräumt hatten. Im „Dschungel von Calais“ hatten zeitweise mehrere Tausend Menschen in Zelten und Hütten gelebt. Sie wurden auf Aufnahmezentren im gesamten Land verteilt.