Landwirtschaft

Ernährungsminister fordert Kennzeichnung von Ostereiern

Vogelgrippe, Kükenschreddern, Tierwohl: Im Interview spricht Landwirtschaftsminister Christian Schmidt über die drängendsten Themen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Foto: Reto Klar

Berlin.  Noch eine Woche bis Ostern. Wegen der Vogelgrippe werden Freilandeier knapp. Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) kritisiert den Umgang einiger Bundesländer mit der Seuche.

Herr Minister, kaufen Sie Ostereier?

Christian Schmidt: Ja. Ich komme leider nicht dazu, die Eier selbst zu färben. Das habe ich früher mit großer Freude gemacht. Ich habe die Ostereier sogar noch glänzend gerieben mit einer kleinen Schwarte Schweinespeck.

Interessiert es Sie, wie die Hühner gehalten werden, die Ihre Eier legen?

Schmidt: Natürlich.

Bisher muss nur bei rohen Eiern angegeben werden, ob sie aus Freilandhaltung, Bodenhaltung oder Käfighaltung stammen. Verbraucherschützer fordern eine Ausweitung der Kennzeichnungspflicht auf gekochte und gefärbte Eier – und auch auf Eier, die in Nudeln und Backwaren verarbeitet werden. Unterstützen Sie das?

Schmidt: Die Eier-Kennzeichnung ist ein Erfolgsmodell. Ich empfehle den Unternehmen, auch bei gekochten und gefärbten Eiern die Art der Hühnerhaltung anzugeben. Die Verbraucher haben ein hohes Bewusstsein für die Herkunft von Eiern …

… reicht da ein Appell?

Schmidt: Zumindest wirkt Freiwilligkeit meistens schneller als Gesetze. Denn der Handel kämpft um die Gunst der Kunden. Deshalb gibt es bereits Hersteller, die das als Vermarktungsargument nutzen.

Gilt Ihre Empfehlung auch für Eier, die in Nudeln verarbeitet werden?

Schmidt: Da ist es komplizierter. Die Produktion lässt sich schwer rückverfolgen. Aber auch hier gibt es viele Hersteller und Handelsmarken, die freiwillig Angaben zur Haltungsform machen. Für eine gesetzliche Regelung auf EU-Ebene sehe ich keine Chance – dafür gibt es derzeit keine Mehrheiten.

Freilandeier werden zu Ostern knapp – wegen der Vogelgrippe mussten viele Hühner im Stall bleiben. Was raten Sie den Verbrauchern?

Schmidt: Gott sei Dank ist mittlerweile die Zahl der Fälle rückläufig. In einigen Regionen ist die Stallpflicht inzwischen wieder aufgehoben. Grundsätzlich müssen alle Lebensmittel in Deutschland sicher sein. Keiner muss wegen der Vogelgrippe auf sein Osterei verzichten.

Ist die Vogelgrippe überwunden?

Schmidt: Die Gefahr ist geringer geworden, der Höhepunkt des Seuchenzugs scheint überschritten, aber wir können noch keine Entwarnung geben.

Wie groß ist der Schaden bisher?

Schmidt: Zum Schutz der Bestände vor Ansteckung mussten bisher leider mehr als 1,5 Millionen Tiere – vor allem Puten – gekeult werden. Wenn die Vogelgrippe vorbei ist, müssen wir Manöverkritik machen. Die wird positiver ausfallen als bei dem großen Seuchenzug 2007, aber wir müssen schon über ein paar Dinge reden, die nicht gut gelaufen sind. In manchen Regionen, beispielsweise in Niedersachsen, ist die Vogelgrippe offensichtlich von einem Betrieb auf den nächsten übergegangen. Das lässt sich mit einer Infizierung durch Wildvögel nicht erklären. Da muss man der Frage nachgehen, ob alle Hygiene- und Sicherheitsvorschriften beachtet wurden – etwa bei Transporten. Ich erwarte, dass alle betroffenen Länder diese Fälle aufklären und analysieren.

In Deutschland werden immer noch millionenfach männliche Küken getötet, sobald sie geschlüpft sind – weil sie keine Eier legen können. Wann ist damit endlich Schluss?

Schmidt: Ich strebe eine typisch deutsche Lösung an – durch innovative Technik. Mir geht es darum, die Geflügelbetriebe hierzulande wettbewerbsfähig zu halten und die Technologie zur Verfügung zu stellen, die dieses Kükentöten überflüssig macht. Es geht darum, das Geschlecht der Küken schon im Ei zu bestimmen und männliche Küken gar nicht erst auszubrüten.

Davon sprechen Sie seit Jahren.

Schmidt: Wir haben in unseren Forschungsprojekten hervorragende Fortschritte gemacht. Ich werde noch in diesem Sommer die erste Brüterei besuchen, in der die neue Technologie dem Praxistest unterzogen wird. Wirklich zufrieden bin ich aber erst dann, wenn in Deutschland das System komplett umgestellt ist.

Wann wird das sein?

Schmidt: Es sind viele Jahre mit wechselnden Regierungen vergangen, in denen wenig bis nichts geschehen ist. Auch von meinen grünen Kollegen sind mir keine praktikablen Lösungen bekannt. Ich habe den entscheidenden Hebel umgelegt, und wir sind voll im Zeitplan. In diesem Jahr erfolgt der Einstieg in den Ausstieg. Danach geht es um Investitionsentscheidungen von Unternehmen. Wo wir als Staat Einfluss nehmen können, werden wir das auch tun. Es gibt aber keinen schnelleren Weg als diesen.

Sie haben ein sogenanntes Tierwohl-Label angekündigt, das anzeigen soll, wie das Tier, dessen Fleisch man kauft, gehalten wurde. Ist das mehr als Symbolpolitik?

Schmidt: Das ist ein Quantensprung! Ich möchte, dass Deutschland der Trendsetter beim Tierwohl wird. Das ist ein erheblicher Anspruch, mit dem ich mir nicht nur Freunde geschaffen habe. Mein Ziel ist es, das Tierwohl auf breiter Front zu verbessern und nicht nur in der Nische. Deshalb brauche ich ein Bündnis der Wertschöpfungskette: vom Bauern über den Supermarkt bis hin zum Verbraucher. Alle müssen mit ins Boot. So etwas verlangt viel Abstimmungsarbeit auf der einen Seite und große Investitionen auf der anderen.

Soll heißen?

Schmidt: Mit dem Label wird der Aufwand der Bauern für die höheren Standards entlohnt. Dabei müssen wir die erste Stufe so ausgestalten, dass möglichst viele Kunden bereit sind, einen Aufpreis zu bezahlen. Mit Nischenprodukten, die am Ende nur für Deluxe-Käufer von Relevanz sind, ist dem Tierwohl nicht geholfen. Ein staatliches Label kann nicht nur die oberen fünf Prozent der Bevölkerung bedienen. Ich will das Label für den breiten Markt. Es geht um bezahlbares Fleisch aus artgerechter Haltung.

Agrarminister Schmidt plant staatliches Tierschutzlabel

Wann also kommt das Tierwohl-Label?

Schmidt: Aktuell sind wir dabei, die Kriterien für den Bereich Schweinefleisch zu finalisieren. Die Kriterien für Geflügel wollen wir bis Sommer erarbeiten. Danach müssen wir die Fragen der Zertifizierung klären und dann können die Bauern loslegen und investieren. Die ersten Tiere könnten also 2018 mit diesen Standards gehalten werden.

Sind Sie dann noch Landwirtschaftsminister?

Schmidt: Ja, das ist mein Plan.

Wer soll nach der Bundestagswahl mit am Kabinettstisch sitzen? Wieder die SPD?

Schmidt: Die absolute Mehrheit ist auch eine Option. 2013 haben wir sie nur knapp verpasst. Wir führen jetzt keinen Koalitionswahlkampf, sondern Wahlkampf nur für die Union. Wenn allerdings Rot-Rot-Grün die Regierung übernimmt, funktioniert in der Landwirtschaft gar nichts mehr.

Sind die Grünen ein möglicher Partner der Union?

Schmidt: Als Landwirtschafts- und Ernährungsminister sehe ich keinen Vorrat an Gemeinsamkeiten zwischen Union und Grünen.

Horst Seehofer will sich in einigen Tagen zu seiner politischen Zukunft erklären. Freuen Sie sich, wenn er Parteichef bleibt und nächstes Jahr noch einmal als Ministerpräsident kandidiert?

Schmidt: Ich glaube, Horst Seehofer spürt, dass die CSU nicht auf ihn verzichten will. Wo er sich dann hinplatziert, ob er in München bleibt oder nach Berlin geht, bleibt ihm vorbehalten. Ein Rückzug von Horst Seehofer steht überhaupt nicht zur Debatte.