Wahlkampf

Türkische Presse giftet weiter: "Gehirnwäsche" im Kinder-TV

Türkische Spitzenpolitiker und regierungsnahe Medien erheben neue Nazi-Vorwürfe gegen Deutschland. Jetzt im Visier: Der Kinderkanal.

Merkel weist Nazi-Gleichsetzungen aus der Türkei deutlich zurück

Die Kanzlerin äußerte sich dazu am Montag am Rande der CeBIT in Hannover.
Mo, 20.03.2017, 13.46 Uhr

Merkel weist Nazi-Gleichsetzungen aus der Türkei deutlich zurück

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Essen.  Es vergeht kaum ein Tag, an dem türkische Spitzenpolitiker oder die regierungsnahe Presse keine neuen Nazi-Vorwürfe gegen Deutschland formulieren. Am Montag titelte die türkische Tageszeitung Sabah: "Vergiftet wenigstens nicht die Kinder".

Die Zeitung bezieht sich auf die Sendung "Logo" des Kinderkanals KiKa, indem die politische Situation in der Türkei kindergerecht veranschaulicht wird. Über dem Artikel ist Angela Merkel mit zum Hitlergruß ausgestrecktem Arm und Bärtchen zu sehen. Neben dem Kopf der Bundeskanzlerin ist ein Hakenkreuz abgebildet.

Die Sabah ist der Meinung, dass das "widerliche" Programm ein dunkles Bild von Staatspräsident Erdogan und der Türkei zeichne. Deutsche Medien würden mit dieser Sendung ihre "hässliche und türkeifeindliche Kampagne" weiterführen. Deutsche Kinder würden einer Gehirnwäsche unterzogen.

Präsident Erdogan greift Merkel persönlich an

Am Sonntag erst hatte Recep Tayyip Erdogan Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich angegriffen. "Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an", sagte Erdogan in Istanbul an Merkel gerichtet . "Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister-Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen", sagte Erdogan.

Mit Blick auf Europa meinte der Staatschef, dort könnten "Gaskammern und Sammellager" wieder zum Thema gemacht werden, aber "das trauen sie sich nur nicht". Offen ließ er, wen er mit "sie" genau meinte.

Merkel warnt die Türkei

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den gegen sie persönlich gerichteten Nazi-Vorwurf Erdogans zurückgewiesen. "Mein Satz, dass die Nazi-Vergleiche von seiten der Türkei aufhören müssen, gilt. Und zwar ohne wenn und aber", sagte Merkel am Dienstag in Hannover nach einer Begegnung mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe.

Leider hätten die Nazi-Vergleiche nicht aufgehört. Die Bundesregierung werde nicht zulassen, dass jedes Tabu falle ohne Rücksicht auf das Leid der Opfer des Nationalsozialismus, sagte Merkel. Die Kanzlerin verwies auf eine Verbalnote des Auswärtigen Amtes vor wenigen Tagen. Darin habe die Bundesregierung unmissverständlich mitgeteilt, dass Auftritte türkischer Politiker in Deutschland nur stattfinden könnten, wenn sie auf der Grundlage der Prinzipien des Grundgesetzes erfolgen. Andernfalls behalte sich die Bundesregierung eine Überprüfung der Genehmigung für die Wahlkampfauftritte vor. (mit dpa)

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