Berlin

„Die Realität des Regierens wird Trump einholen“

Amerika-Experte Jan Techau analysiert die Rede des neuen US-Präsidenten

Berlin. Was sind die wichtigsten Punkte in der Rede des neuen US-Präsidenten Donald Trump? Drei Fragen an den Außenpolitik-Experten Jan Techau an der „American Academy“ in Berlin.

Was war der wichtigste Satz in der Rede von Trump?

Jan Techau: Er hat eine Reihe von wichtigen Sätzen gesagt. Der wichtigste war aber wohl die Ankündigung, dass ab sofort der Transfer der Macht von Washington zurück an das amerikanische Volk im Land stattfindet. Damit wollte Trump deutlich machen, dass er nicht als Präsident einsame Entscheidungen fällt – umgeben von seiner Bürokratie. Seine Botschaft: Er will den Menschen ihren Einfluss zurückgeben. Das ist ein klassisches populistisches Versprechen. Trump pflegt rhetorisch die Verbindung zu seiner Kernwählerschaft. Es handelt sich hier um große Symbolik. Sie wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Menschen enttäuscht sein werden. Die Realität des Regierens wird ihn einholen.

Was war die größte Überraschung?

Die größte Überraschung war, dass Trump den Ton aus seinem Wahlkampf nahtlos in die Rede übertragen hat. Er hat überhaupt nicht den Versuch gemacht, staatstragender oder präsidialer zu klingen.

Was war die größte Enttäuschung?

Die größte Enttäuschung war, dass es aus europäischer Sicht keine positive Botschaft gab. Europa ist ja von den Sicherheitsgarantien der Amerikaner abhängig. Im Gegenteil: Trump hat seine Rhetorik sogar noch verschärft. Er hat gesagt, dass Amerika andere Länder reich gemacht habe und darüber der eigene Reichtum verloren gegangen sei. Das ist eine Nullsummen-Rhetorik, nach dem Motto: Wenn andere gewinnen, verliert Amerika. Alle Hoffnungen, dass Trump die Wichtigkeit der amerikanischen internationalen Allianzen anerkennen würde, wurden enttäuscht.

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