Berufsleben

Studie: Teilzeitjobs werden für Frauen oft zur Karrierefalle

Teilzeitbeschäftigte werden nur selten befördert, ihre Gehaltszuwächse sind niedriger. Betroffen sind laut Studie vor allem Frauen.

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Berlin.  Für viele Mütter ist es Alltag. Nach der Geburt ihres Kindes gehen sie zunächst in mehrmonatige Elternzeit. Danach bitten sie den Arbeitgeber, ihre Stundenzahl zu reduzieren. Flexible Arbeitszeiten und Teilzeit sind für viele Beschäftigte eine wichtige Voraussetzung, Job und Familienleben zu vereinbaren. Doch in der Praxis wird die Teilzeitbeschäftigung oft zur Karrierefalle. Das ist das Ergebnis einer Auswertung mehrerer aktueller Studien durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, die dieser Redaktion vorliegt.

Teilzeitjobs sind oft mit Nachteilen verbunden. „Aufstiegsmöglichkeiten werden verhindert, die Gehaltszuwächse sind niedriger und Beförderungen seltener“, beschreibt Arbeitszeitexpertin Yvonne Lott. Betroffen seien vor allem Frauen. Denn 80,8 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Deutschland sind Frauen. Fast jede zweite beschäftigte Frau (48 Prozent) arbeitete 2015 hierzulande mit reduzierter Stundenzahl, während es unter Männern nur jeder Zehnte (neun Prozent) ist.

Nur wenige Führungspositionen sind mit Teilzeitkräften besetzt

Die Aufstiegschancen sind auch deshalb gering, da nur 10,9 Prozent aller Jobs mit Managementaufgaben mit Teilzeitkräften besetzt werden, bei herausgehobenen Führungspositionen liegt der Anteil sogar nur bei 6,5 Prozent.

„Teilzeitjobs werden für viele Frauen zur Karrierefalle“, sagt Lott. Aber auch Männer, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen, machten die Erfahrung, dass diese Auszeit der Karriere schade. Generell biete Teilzeit „wenig Vorteile für Beschäftigte, die sich alleine ernähren und Karriere machen wollen“.

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Bundesarbeitsministerin will Rückkehrrecht auf Vollzeit durchsetzen

Auch die Bundesarbeitsministerin sieht das Problem. Andrea Nahles (SPD) will für alle Beschäftigten ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle durchsetzen. Ein entsprechender Gesetzentwurf befindet sich seit gut einer Woche in der Ressortabstimmung. Kritik kommt jedoch von den Arbeitgebern, während Gewerkschaften ihn befürworten. Bislang gibt es nur ein Recht auf Teilzeit. Damit bleibt vielen der rund 8,4 Millionen Teilzeitkräfte die Aufstockung ihrer Stundenzahl verwehrt.

Die Arbeitsexpertin der Böckler-Stiftung sieht in einem gesetzlichen Rückkehrrecht einen „vielversprechenden Vorstoß“, die Arbeitszeit an verschiedene Lebensphasen wie Kindererziehung oder Pflege anzupassen. Denn die Erfahrung zeigt laut Studie, dass Politik durch neue Gesetze Verhaltensweisen offenbar verändern kann.

Für Pflegezeiten soll es auch Lohnersatzleistungen geben

So ist der Anteil der Väter, die Elternzeit nehmen, mit der Einführung der Partnermonate seit 2008 von damals 20 Prozent auf heute 29 Prozent gestiegen, wenngleich davon der Großteil (74 Prozent) nur zwei Monate zu Hause bleibt. Damit sich auch dieser Anteil weiter erhöhe, sagt Lott, „sollten als Anreiz die Partnermonate in der Elternzeit von heute zwei Monaten deutlich verlängert werden“. Zum Vergleich: 96 Prozent aller Mütter nutzen Elternzeit.

Ähnliches sollte auch für die Pflege von Angehörigen geschaffen werden. „Sinnvoll wäre eine Gestaltung der Pflegezeit entsprechend der Elternzeit mit Lohnersatzleistungen“, sagt die Arbeitsexpertin. Viele Bundesbürger lebten noch in traditioneller Rollenverteilung, nach der sich Frauen um die Kinder und Pflege kümmerten. Die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt könne nur behoben werden, so die Studie, wenn flexible Arbeitszeiten „unabhängig von Geschlecht, Qualifikation oder Hierarchiestufe zur Normalität werden“.

Schweden fördert Gleichstellung schon seit 1970er Jahren

Ein Vorbild, wie es anders laufen könne, sei Schweden, wo die Politik bereits seit den 1970er-Jahren die Gleichstellung aktiv fördere – unter anderem durch Elternzeiten für Väter, eine gute Kitabetreuung, aber auch durch die individuelle Besteuerung für beide Geschlechter, die Arbeitsanreize schaffe. Kontraproduktiv sei laut Lott in Deutschland deshalb auch das steuerliche Ehegattensplitting, das Arbeiten einer verheirateten Frau finanziell unattraktiver mache.

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