Politik

Preisgekrönte Innovationen

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Peter-André Alt

Viele Geschäftsideen entstehen in enger Zusammenarbeit zwischen den Berliner Universitäten und Unternehmen

Anfang des Monats wurde wie jedes Jahr seit 1992 wieder der Innovationspreis Berlin-Brandenburg vergeben. Zehn Unternehmen waren für die Endauswahl nominiert, fünf erhielten die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung. Geradezu beispielhaft zeigt das breite Spektrum der vorgeschlagenen Firmen, welche Schlüsselrolle mittlerweile die Grundlagenforschung für zukunftsträchtige Geschäftsideen spielt.

Unter den Ausgezeichneten befindet sich das junge Start-up-Unternehmen DendroPharm, eine Ausgründung der Freien Universität. Die Firma hat eine Technik entwickelt, mit deren Hilfe sogenannte Nanocarrier, also winzig kleine Trägerteilchen, zum Transport pharmazeutischer Wirkstoffe eingesetzt werden können.

Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass Arzneimittel nicht mehr in Tablettenform eingenommen werden müssen. Man führt sie stattdessen über die Haut ein und leitet sie so zum jeweiligen Einsatzort. Für Kinder und ältere Patienten, aber auch in der tiermedizinischen Praxis ist diese Technik besser als die konventionelle Einnahme über den Mund geeignet, eine sichere Versorgung mit pharmazeutischen Wirkstoffen zu gewährleisten. Die von DendroPharm verwendete Technik wurde in einem Sonderforschungsbereich von Chemikern der Freien Universität erschlossen und geht nun in die breite Anwendung. Bald werden 20 neue Arbeitsplätze durch DendroPharm geschaffen – ein Beispiel, wie aus scheinbar hoch spezialisierter Grundlagenforschung gesellschaftlich wichtige Innovationen entstehen.

Zahlreiche der nominierten Unternehmen entwickelten ihre Geschäftsidee im engen Kontakt mit der Forschung. Medizintechnologie, ökologische Baustoffe, Roboter zum Einsatz in der Industrieproduktion, spektroskopische Messgeräte für die Qualitätssicherung bei der Solarzellenproduktion – das alles sind Beispiele für ein gelungenes Zusammenspiel von Wissenschaft und unternehmerischer Innovation. Häufig sind die Firmen aus wissenschaftlichen Projekten an Universitäten, an Fraunhofer- oder Helmholtz-Instituten entstanden. In Adlershof, Charlottenburg und Dahlem laufen seit Jahren hochgradig kreative Prozesse des Wissenstransfers, die vor allem im Bereich der Medizintechnologie und therapeutischen Anwendung für enorme Fortschritte sorgen.

Blickt man auf die Preisträger des diesjährigen Innovationswettbewerbs, dann wird deutlich, dass nachhaltige unternehmerische Ideen vor allem dort gedeihen, wo wissenschaftliche Substanz im Spiel ist. Allein eine Lücke im Vermarktungsprozess zu schließen, reicht nur selten aus, um langfristigen Erfolg zu erzielen. Je enger die Verbindung von wissenschaftlicher Basis und unternehmerischer Anwendung ausfällt, desto höher auch der Innovationsgrad, den eine Firma erzielt. Das gern zitierte Beispiel des Silicon Valley belegt genau das: Die kalifornische Stanford University bildet den Wachstumsmotor für junge Unternehmer und schafft die Voraussetzungen für einen Transferprozess, der Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Praxis bringt. Unternehmen wie Cisco, Google, Yahoo, Hewlett Packard sind in diesem System entstanden, aber auch andere weltweit führende Technologiefirmen unterschiedlichster Branchen.

Berlin ist also gut beraten, wenn es weiterhin – und mit durchaus wachsendem Budget – in die Wissenschaft investiert. Forschung bleibt der wichtigste Ideenmotor für die wachsende Stadt und ein Garant qualitativ nachhaltiger Unternehmensgründungen.

„Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden“, sagte der irische Schriftsteller Oscar Wilde. Und genau deshalb benötigen wir eine wissenschaftsgetriebene Unternehmenskultur, die nicht von Gewinnabsichten und Gier, sondern von Ideen und kreativen Projekten ausgeht.

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