Politik

Der Erfolg der Uni-Ausgründungen

| Lesedauer: 3 Minuten

Start-ups sind gewinnbringend für die Digitalisierungsstrategie Berlins. Und sie schaffen viele Arbeitsplätze

Was haben der 3-D-Druck von humanem Gewebe, der Kräuterdünger, die vegane Bioerde und die digitale Fußballanalyse gemeinsam? Sie sind allesamt die Ideen für junge hoffnungsfrohe und kreative Start-ups aus den Hochschulen in Berlin und Potsdam. Als wir im Jahr 2013 die erste Gründerumfrage veröffentlichten, war man doch erstaunt, wie viele neue Arbeitsplätze und wie viel Umsatz die Gründerszene rund um die Hochschulen für die Metropolregion Berlin erwirtschaftete. Kürzlich stellten der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und fünf Hochschulpräsidenten aus Berlin und Potsdam die neueste Gründungsumfrage vor. Gefragt wurden immerhin 745 Unternehmen, die von den vier Universitäten Berlins, der Universität Potsdam sowie der Beuth Hochschule für Technik, der Hochschule für Technik und Wirtschaft, der Hochschule für Wirtschaft und Recht und der Fachhochschule Potsdam in den vergangenen Jahren ausgegründet oder betreut wurden.

Das Ergebnis ist per se nicht überraschend, weil es so oder so ähnlich schon erwartet wurde, aber umso mehr beeindruckend. Diesmal wurden durch die Start-ups noch mehr Arbeitsplätze gemeldet, und die Umsatzzahl kletterte ebenfalls in die Höhe. Es handelt sich konkret um 22.000 geschaffene Personalstellen und einem Umsatz von drei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Grundfinanzierung der staatlichen Hochschulen durch den Senat von Berlin liegt bei etwa 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. Allein diese Zahlen zeigen, wie wichtig die Start-ups aus den Hochschulen für den Wirtschaftsstandort Berlin und Potsdam sind. Von ihnen kommen nicht nur die Ideen für die Zukunft, sondern auch Arbeitsplätze und Steuergelder.

Aus der Gründungsumfrage heraus lassen sich drei wichtige Trendthemen ausmachen. Ein hoher Anteil der befragten Hochschul-Start-ups, nämlich 43 Prozent, fühlen sich der digitalen Wirtschaft zugehörig. Dabei verorten sich zwei Drittel davon im Kernbereich, vor allem im Segment Applikationen und Services. Das reicht von Softwareentwicklung und Programmierung über IT-Beratung und Datenverarbeitung bis hin zu Hosting und Webportal-Erstellung. Die Firmen sind damit nicht nur an der vordersten Front der Entwicklung, sondern gewinnbringend für die Digitalisierungsstrategie des Landes Berlin.

Auch Industrieunternehmen spielen für die Start-ups aus Hochschulen eine wichtige Rolle: Für fast zwei Drittel sind sie Kunden und jeweils für 30 Prozent Kooperationspartner oder Zulieferer. Ebenfalls ein Drittel der Unternehmen sind hauptsächlich auf internationalen Märkten aktiv, und 20 Prozent der Gründungsteams sind immerhin multinational aufgestellt. So finden an der TU Berlin bereits ein Drittel der Gründungsberatung in englischer Sprache statt. Digital, vernetzt und international – das macht eine gute und zukunftsträchtige Gründerszene aus.

Die Gründungsumfrage zeigt, dass sich schon allein aufgrund der wirtschaftlichen Erfolge der universitären Ausgründungen Investitionen in Hochschulen lohnen. Die Ursprungsmission – in Forschung und Lehre zu reüssieren – gewinnt über die Ausgründungen eine erweiterte Bedeutung.

Hochschulen sind in diesem Feld deshalb so erfolgreich, weil die jungen Köpfe mit ihren neuen Ideen besonders an Hochschulen die Freiräume und intellektuell stimulierende Umgebungen vorfinden. Und ihnen zur Seite steht eine seriöse und fachlich hervorragende Betreuung durch die Hochschullehrer als Experten in ihren jeweiligen Fächern. Freie Forschung erzeugt Ideen, die junge Menschen mutig und mit großer Hoffnung auf Erfolg umsetzen können. Auch das macht unsere Hochschulen aus.

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