Politik

Am Tatort flüstern die Menschen

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz öffnet wieder

Ein Ort des Gedenkens und ein Ort der Begegnung: Das Gesicht des Breitscheidplatzes hat sich nach dem Anschlag verändert. Denn während heute ab 11 Uhr ein Teil des Weihnachstmarktes entlang des Kurfürstendamm wieder eröffnet, bleibt der andere Bereich entlang der Budapester Straße bis auf weiteres gesperrt. Dort wird die Polizei auch in den kommenden Tagen ihre Ermittlungsarbeit zum Hergang des Anschlags fortsetzen.

Überall auf dem Platz sind Blumen und Kerzen zu sehen. Wo immer möglich, stehen am Mittwoch auf dem Breitscheidplatz Menschen zusammen. Sie Gedenken der Opfer. Die einen legen Blumen nieder, die anderen versuchen trotz steifer Finger den Docht einer Kerze anzuzünden, um sie dann inmitten des Blumenmeers aufzustellen. „Bislang waren für mich derartige Anschläge immer so weit weg. Und jetzt ist es auf einmal hier in meiner Stadt also direkt vor meiner Haustür passiert“, sagt Sabrina Weithönier und legt ein paar Blumen ab. Anschließend richtet die Friedrichshainerin ihren Blick noch einmal in Richtung der Schneise, die der Lkw auf seiner Todesfahrt am Montagabend hinterlassen hat. In etwa 60 Meter Entfernung sind die Spuren des Attentates deutlich zu sehen. Ein Gitter versperrt den Weg dorthin. Schwer bewaffnete Polizisten sichern auch am zweiten Tag nach dem schrecklichen Ereignis den Tatort ab.

Es ist ruhig am Breitscheidplatz. Die Menschen flüstern, keine lauten Worte. Nur einmal durchbricht ein Kind mit einer Frage an die Eltern die Stille, die zwischen den zahlreichen Verkaufsbuden auf dem inzwischen geschlossenen Weihnachtsmarkt herrscht: „Warum fährt das Karussell nicht?“ Schnell nimmt der Vater seinen kleinen Sprössling auf den Arm und flüstert dem Jungen den Grund ins Ohr. Er dreht den Kopf und verfolgt mit offenem Mund die mehr als 20 an ihm vorbeilaufenden Polizisten. Es ist die Wachablösung. Denn an allen Zugängen zum Breitscheidplatz stehen Polizeibeamte.

Und wie lange sie noch stehen müssen, ist nicht bekannt. „Wann die Sperrung entlang der Budapester und der Kantstraße aufgehoben wird, weiß ich nicht“, sagt ein Beamter an der Kantstraße Ecke Joachimsthaler Straße.