Polizei vermutet Anschlag in der City West. Neun Menschen sterben. Trauergottesdienst am heutigen Dienstag in der Gedächtniskirche

Entsetzen auf dem Weihnachtsmarkt

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Berlin.  In einem fort rasen die Krankenwagen, Polizeifahrzeuge und Feuerwehrwagen, dazwischen Zivilfahrzeuge der Berliner Polizei die Kantstraße hinunter zum Breitscheidplatz. Es ist gegen 20 Uhr an diesem Montagmorgen, wenige Tage vor Weihnachten. Auf dem Breitscheidplatz ist vermutlich ein Anschlag verübt worden. Ein Lkw, zwei Männer im Fahrerhaus, ist auf den Weihnachtsmarkt in der City West gerast. 50 bis 60 Meter auf den Markt hinein, mindestens neun Menschen, so die schreckliche Bilanz der Polizei später, sind getötet worden, viele, wohl rund 50 Menschen sind verletzt.

„Ich bin entsetzt und betroffen“, sagt der neue Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD), als er gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf dem Breitscheidplatz eintrifft. Man wisse aber noch nichts Genaues über die Hintergründe, sagt Geisel. „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer.“ Viele andere Politiker zeigen an diesem Abend ihre Betroffenheit, so auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Viele Menschen, die heute Abend den Weihnachtsmarkt besucht haben, sind ums Leben gekommen, noch mehr wurden verletzt“, erklärt er. Er sei tief erschüttert über die „schrecklichen Ereignisse“.

Rund um den Breitscheidplatz sind die Straßen abgesperrt worden. Zunächst die Budapester Straße, später am Abend dann auch der Kurfürstendamm. Das Kino Zoo Palast ist geschlossen worden. Am Eingang hängt ein Schild: „Spätvorstellungen entfallen“. Im Hotel Waldorf Astoria stehen am Abend Menschen an den Fenstern und schauen auf den Platz. Der Aufgang zum Bikini Haus ist gesperrt. Die Polizei bittet die Passanten energisch, sich zu entfernen.

Die Besucher des Weihnachtsmarkts, die keine Augenzeugen gewesen sind, können den Platz verlassen. Die anderen sollen sich bei der Polizei melden. Der Regierende Bürgermeister Müller teilt vor Journalisten mit, dass das Universitätsklinikum Charité den Katastrophenfall ausgerufen habe. Die Verletzten würden aber auch in andere Berliner Krankenhäuser gebracht.

Auch die Berliner Parteien zeigen sich schockiert. „Berlin trauert“, twittert die neue Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. „Dieser barbarische und menschenverachtende Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt im Herzen Berlins erschüttert mich zutiefst“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja. „Er führt uns schmerzhaft vor Augen, wie verwundbar unsere freie Gesellschaft ist.“ Der AfD-Abgeordnete Karsten Woldeit sagt: „Ein solches Ereignis so kurz vor Weihnachten macht fassungslos und weckt böse Erinnerungen.“

Gegen 22.20 Uhr verlassen die ersten Einsatzkräfte den Breitscheidplatz. Am heutigen Dienstag will die Polizei auf einer Pressekonferenz über die Hintergründe informieren. Am Abend gibt es einen Trauergottesdienst in der Gedächtniskirche.

( BM )

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