Berlin

Europäische Linke wählt Gregor Gysi zum Präsidenten

Berlin. Er hat eine neue Aufgabe: Gregor Gysi ist zum Chef der Europäischen Linken gewählt worden. 67,6 Prozent der Delegierten wählten am späten Sonnabend im Kongresszentrum BCC am Alexanderplatz den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag zu ihrem Präsidenten.

Gregor Gysi (68) war über Jahre die zentrale Figur der PDS und später der Linken. Jetzt steht er einer europäischen Gruppierung mit wenig Einfluss vor. Ein paar Parteien haben noch die kommunistischen Symbole Hammer und Sichel im Logo.

Gysi verteidigte die Errungenschaften der Europäischen Union. Er will sich aber für tief greifende Veränderungen einsetzen. Er kritisierte unter anderem die europäische Finanzpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Linke in Europa müsse wieder rebellischer werden, forderte Gysi.

Die Partei- und Fraktionschefs der deutschen Linken dürften erleichtert sein, dass Gysi in den nächsten Monaten und Jahren in Europa beschäftigt ist. Nach seinem Rücktritt von der Fraktionsspitze im Herbst 2015 sorgte Gysi in diesem Jahr vor allem für Unruhe. So sagte er vor dem Parteitag im Mai 2016, die Partei sei „saft- und kraftlos“. Zum Parteitag kam er gar nicht erst, weil er nicht reden durfte. Davor hatte er schon in einem Brief an die Fraktionsspitze gefordert, wieder mehr Reden im Bundestag halten zu dürfen.

Kritik gab es in den Reihen der Delegierten der Europäischen Linken daran, dass Gysi am Sonntagmorgen nicht auf dem Parteitag war, sondern mit dem ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen im Deutschen Theater auftrat. Andere Linkspolitiker erzählten, Gysi habe darauf bestanden, Präsident der Europäischen Linken genannt zu werden. Sein Vorgänger, der Franzose Pierre Laurent, habe sich noch mit dem Titel Vorsitzender begnügt.