Bürgerkrieg

Aleppo soll weiter evakuiert werden – Kommen UN-Beobachter?

In einer Sondersitzung wollen die UN entscheiden, ob sie einen Beobachter nach Aleppo schicken. Ob es dazu wirklich kommt, ist fraglich.

Frankreich drängt darauf, UN-Beobachter in die vom Krieg besonders getroffene syrische Stadt Aleppo zu lassen. Russland zeigt sich skeptisch.

Frankreich drängt darauf, UN-Beobachter in die vom Krieg besonders getroffene syrische Stadt Aleppo zu lassen. Russland zeigt sich skeptisch.

Foto: OMAR SANADIKI / REUTERS

New York.  Der UN-Sicherheitsrat will noch am (heutigen) Sonntag über eine mögliche Entsendung von Beobachtern in die syrische Stadt Aleppo diskutieren. Der Rat werde sich um 17.00 Uhr MEZ zu einer Sondersitzung treffen, teilten mehrere UN-Vertretungen per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Ob die von Frankreich eingebrachte Resolution das Gremium passieren würde, war zunächst fraglich. Russland hatte sich skeptisch gezeigt.

Unterdessen steht die Wiederaufnahme der Evakuierung Ost-Aleppos offenbar kurz bevor. Die Busse zum Abtransport Tausender Rebellen und Zivilisten seien in den belagerten Teil der Stadt eingefahren, berichteten regimenahe Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Regierungskreise hatten zuvor von einer neuen Vereinbarung zwischen der syrischen Führung und den Rebellen berichtet.

Noch Zehntausende in Rebellengebieten

Es wird davon ausgegangen, dass sich noch mehrere Zehntausend Menschen in dem monatelang belagerten Osten der Großstadt aufhalten. Die Rebellengebiete im Osten waren nach heftigen Luftangriffen in den vergangenen Wochen von syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands und des Irans fast vollständig erobert worden.

In die schiitschen Dörfer Fua und Kafraja in der südwestlich von Aleppo gelegenen Provinz Idlib fuhren nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag ebenfalls Busse ein. Sie sollen rund 1500 Verletzte, Frauen und Kinder in Sicherheit bringen, wie syrische Regierungskreise mitteilten.

Aufhebung von Blockaden gefordert

Milizen aus dem schiitischen Iran, die an der Seite der syrischen Armee kämpfen, hatten nach Angaben aus Regierungskreisen gefordert, dass im Gegenzug für die Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos auch die Blockade dieser beiden Orte aufgehoben werden müsse

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rechtfertigte indes die militärische Zurückhaltung des Bündnisses. Ein Militäreinsatz könnte zu einer weiteren Eskalation beitragen, sagte Stoltenberg der „Bild am Sonntag“. „Wir würden riskieren, dass es ein größerer regionaler Konflikt wird. Oder dass noch mehr Unschuldige sterben.“

Ursula von der Leyen kritisiert Russland

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisierte in dem Blatt das Vorgehen der russischen und syrischen Streitkräfte. „Weder das syrische Volk noch die Weltgemeinschaft werden die Gnadenlosigkeit von Aleppo je vergessen, die durch nichts zu rechtfertigen ist.“

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen warnte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ davor, dass Russland und die Türkei eine gesonderte Absprache über Syrien treffen könnten. „Eine der gefährlichsten Entwicklungen ist ein russisch-türkisches Arrangement in Syrien“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Hier drohe „ein weiteres diplomatisches Desaster für den Westen“.

Notfallprogramm gefordert

Aufgrund der katastrophalen Verhältnisse in Aleppo plädierte der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), für ein Notfallprogramm. „Die EU-Staaten sollten gemeinsam ein begrenztes Kontingent für 20.000 Syrer zur Verfügung stellen, um eine humanitäre Katastrophe infolge der Eroberung Aleppos zu vermeiden“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Am Samstag demonstrierten mehrere Tausend Menschen in verschiedenen deutschen Städten und auch in London gegen den Krieg. In Stuttgart waren rund 2200 Menschen dabei, in Berlin beteiligten sich an zwei Demonstrationen nach Polizeiangaben insgesamt rund 2100 Menschen, in Mannheim rund 1500, in Hamburg 800. (dpa)