Politik

Ein neues, trauriges Kapitel

Auch bei uns droht Kindern Missbrauch durch Terroristen

Ein Zwölfjähriger als Terrorist: Die Vorstellung verletzt fundamental unser Bild von Kindheit, wie wir sie unseren Kindern wünschen. Dass ein Junge mitten in Deutschland seine Zeit damit verbringt, einen Anschlag zu planen, macht uns nur fassungslos.

Noch ist nicht genau bekannt, was den Deutschiraker genau antrieb, ob und wie stark er vom IS beeinflusst wurde – oder wie groß die Gefahr grundsätzlich ist, dass sich Kinder auch in Deutschland dem Terrorismus zuwenden. Werden sie zielgerichtet rekrutiert, oder verfallen sie von alleine den Gewinner-Posen der IS-Propaganda?

Klar ist nur: Kinder sind besonders schutzbedürftig. Sie sind verletzlich und leicht beeinflussbar. Gerade deshalb werden sie immer wieder für den Krieg oder für Propaganda missbraucht und ausgenutzt. Die Jungen als Kindersoldaten in den blutigen Konflikten Afrikas – oder die Mädchen als Zwangsprostituierte für Kämpfer. Dass Kinder durch militante Islamisten immer öfter als lebende Bomben eingesetzt werden, ist ein weiteres trauriges Kapitel in der Geschichte dieses Missbrauchs.

Auch die deutsche Geschichte kennt die bewusste ideologische Beeinflussung der Jüngsten und Schwächsten nur zu gut. Im „Volkssturm“ zum Ende des Zweiten Weltkriegs mussten mit der Hitlerjugend sogar Kinder an die Waffen und bezahlten diesen ungleichen Kampf mit erwachsenen Soldaten tausendfach mit ihrem Leben.

Der Fall des Zwölfjährigen in Ludwigshafen ist nicht nur ein weiterer Ermittlungsfall für Polizei und Staatsschutz. Eltern, Lehrer, Jugendbetreuer und Jugendämter – alle müssen das Undenkbare künftig denken, genauer hinsehen und leider damit rechnen, dass sich mitten unter uns auch Kinder radikalisieren und zu einer tödlichen Gefahr für sich und andere werden.