Kairo/Aleppo

Verwundete aus Aleppo evakuiert

Auch 4000 Kämpfer dürfen mit ihren Familien die zerstörte Stadt verlassen

Kairo/Aleppo.  Einen Tag nach dem gescheiterten ersten Anlauf hat am Donnerstag die Evakuierung der Eingeschlossenen aus Ost-Aleppo begonnen – anscheinend weitgehend zu den Bedingungen des syrischen Assad-Regimes und seiner iranischen Verbündeten. Nach Angaben des Staatsfernsehens sollen 4000 Kämpfer und ihre Familien aus dem verwüsteten Stadtteil über einen etwa 20 Kilometer langen Korridor in die benachbarte Rebellenprovinz Idlib transportiert werden. Nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums garantiere die Regierung in Damaskus die Sicherheit der Menschen. Auch werde es in den nächsten Tagen keine Luftangriffe auf Idlib geben.

Am Nachmittag wurden in einem ersten Konvoi aus 40 Bussen und Krankenwagen 951 Menschen abgeholt, vor allem Schwerverletzte, aber auch etwa 200 Rebellen sowie Frauen und Kinder. Am Abend verließ nach türkischen Angaben ein zweiter Konvoi die nordsyrische Stadt. 1198 Menschen würden mit diesem in Sicherheit gebracht, hieß es aus türkischen Regierungskreisen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Aufständische seien dabei, ihre Hauptquartiere, Fahrzeuge und Waffen zu zerstören. Zivilisten verbrannten Möbel und Haushaltsgegenstände, damit sie den Soldaten und Milizen nicht in die Hände fallen. Fernsehbilder zeigten vereinzelte Rauchsäulen über den Rebellenvierteln. Auf Druck des Iran werden gleichzeitig auch rund 1200 Kranke und Verletzte sowie deren Familien aus den beiden schiitischen Dörfern al-Foua und Kefraya im Nordwesten Syriens abgeholt, die von Assad-Gegnern belagert sind.

Unklarheit herrschte gestern weiterhin, was mit den zehntausend übrigen Zivilisten geschehen wird, die sich hungernd und frierend in den letzten beiden noch nicht vom Regime zurückeroberten Quadratkilometern ballen. Russland und die Türkei hatten am Dienstagabend mitgeteilt, alle noch in der zerstörten Enklave ausharrenden Zivilisten und Kämpfer würden evakuiert. Die Kämpfer würden nach Idlib gebracht, die Zivilisten könnten wählen, ob sie in Regimegebiete oder Rebellengebiete gehen wollten. Parallel dazu kündigte Vizepremierminister Mehmet Simsek an, die Türkei bereite ein Aufnahmelager für 80.000 Menschen aus Aleppo vor. Das Assad-Regime in Damaskus sträubte sich gegen solche Pläne. Man habe nur dem Abtransport der Bewaffneten und ihrer Angehörigen zugestimmt, hieß es in einer ersten Reaktion.

Ankara, Moskau und Teheran treffen sich zum Syrien-Gipfel

Die Türkei kündigte an, man werde sich am 27. Dezember zu einem Dreiergipfel mit dem Iran und Russland in Moskau treffen, um eine politische Lösung des blutigen Konfliktes zu diskutieren, der bisher mindestens 320.000 Menschen das Leben gekostet hat. „Wir wollen versuchen, einen Waffenstillstand für das ganze Land zu vereinbaren und Verhandlungen für eine politische Lösung beginnen“, sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu.

Der iranische Präsident Hassan Rohani gratulierte Syriens Machthaber Ba­schar al-Assad per Telefon zu der Niederlage der Rebellen. „Der Sieg in Aleppo ist ein großer Sieg des syrischen Volkes gegen Terroristen und ihre Unterstützer“, sagte er. Irans Revolutionäre Garden spielen im syrischen Bürgerkrieg eine Schlüsselrolle, genauso wie die Kämpfer der libanesischen Hisbollah und die vom Iran bezahlten und trainierten schiitischen Milizen aus dem Irak.