Bangkok/Manila

Duterte: „Ich habe Leute erschossen“

Staatschef der Philippinen prahlt mit seinem persönlichen Kampf gegen Kriminelle

Bangkok/Manila. „Ich bin kein Killer“, versicherte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte beim Erhalt eines Preises für „Hervorragende Philippiner“ in der Hauptstadt Manila. Wenig später brüstete sich das 71-jährige Staatsoberhaupt dann vor Wirtschaftsvertretern mit dem Gegenteil: „Ich bin früher auf einem schweren Motorrad durch Davao City gekurvt“, sagte der frühere Bürgermeister über seinen Kampf gegen das Drogengeschäft, „ich habe Leute erschossen, um der Polizei zu zeigen: Ihr könnt das auch.“

Seit Dutertes Amtsantritt Ende Juni wurden Medienberichten zufolge 5000 bis 6000 Menschen von Polizisten und Todesschwadronen ermordet – manche waren freilich keine Drogenhändler, sondern politische Widersacher des Staatschefs der Philippinen. Inzwischen droht der Präsident gar Rechtsanwälten mit einem plötzlichen und unnatürlichen Tod, die angebliche Drogenkriminelle verteidigen.

Nach offiziellen Angaben sind in den vergangenen fünf Monaten 2102 Menschen bei Polizeioperationen gegen mutmaßliche Drogenhändler und Abhängige getötet worden. Ermittelt wird zudem bei 3993 Tötungen im Zeitraum vom 1. Juli bis 12. Dezember zu möglichen Verbindungen zum Drogenkrieg, heißt es in Polizeistatistiken, die am Mittwoch veröffentlicht worden sind. Knapp 41.000 mutmaßliche Drogenhändler und -nutzer wurden festgenommen, mehr als 908.000 meldeten sich freiwillig bei der Polizei. Leichen wurden oftmals gefesselt in Straßen oder Hinterhöfen gefunden, viele mit Schildern mit der Aufschrift: „Ich bin ein Drogenhändler. Sei nicht wie ich.“

Die Kritik an Dutertes Kampf gegen das Drogengeschäft wird immer lauter. Menschenrechtler sowie Politiker aus dem In- und Ausland forderten den Präsidenten auf, Tötungen zu unterbinden und unabhängige Untersuchungen einzuleiten. Mehrfach hat Duterte klargemacht, dass er seinen harschen Feldzug nicht beenden werde.

Bereits im Wahlkampf wurde ihm vorgeworfen, er habe in Davao Todesschwadronen eingesetzt, die mehr als 1000 Menschen ermordet hatten. Duterte hatte versprochen, das mehrheitlich katholische Land mit 100 Millionen Einwohnern binnen sechs Monaten von Drogenkriminalität und Korruption zu befreien.