Razzien

Polizei verhaftet in der Türkei mehr als 230 HDP-Mitglieder

Nach dem Anschlag in Istanbul kommt es zu weiteren Verhaftungen in der Türkei. Die Razzien treffen besonders die kurdische HDP-Partei.

Bereits im November kam es zu Demonstrationen gegen die Verhaftung kurdischer HDP-Politiker. Nun hat die türkische Polizei weitere Oppositionelle inhaftiert.

Bereits im November kam es zu Demonstrationen gegen die Verhaftung kurdischer HDP-Politiker. Nun hat die türkische Polizei weitere Oppositionelle inhaftiert.

Foto: Deniz Toprak / dpa

Istanbul.  Die türkische Polizei hat in mehreren Städten Razzien gegen die pro-kurdische Oppositionspartei HDP durchgeführt und dabei mindestens 237 ranghohe Politiker der Partei festgenommen. Darunter seien Bezirksvorsitzende der Partei, sagte HDP-Sprecherin Bermali Demirdögen der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, den Festgenommenen werde Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder Mitgliedschaft in der PKK vorgeworfen.

Es habe Razzien in Ankara, Istanbul, Adana, Masina sowie Mersin gegeben. Der Parteivorsitzende von Istanbul wurde ebenfalls festgenommen, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Der HDP-Politiker Ayhan Bilgen twitterte ein Bild von der durchsuchten Parteizentrale in Istanbul. Das Bild zeigt einen umgestürzten Schreibtisch, verstreute Bücher und Papiere.

Verhaftung der kurdischen Opposition

Seit dem Putschversuch vom 15. Juli geht die türkische Führung verstärkt gegen die pro-kurdische Opposition im Land vor. Im November waren die Parteivorsitzenden der HDP, Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag, wegen Terrorvorwürfen festgenommen worden. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

In der Südosttürkei hat die Regierung zahlreiche Bürgermeister der kurdischen Partei DBP, dem kommunalen Ableger der HDP, abgesetzt und die Bezirke unter Zwangsverwaltung gestellt. Sie brachte damit weite Teile der mehrheitlich kurdischen Provinzen im Südosten des Landes unter ihre direkte Kontrolle.

Anschlag in Istanbul

Zu den beiden Bombenanschlägen im Istanbuler Stadtteil Besiktas hat sich die TAK, eine Splittergruppe der PKK, bekannt. Die Regierung hatte schon kurz nach dem Anschlag vom Samstagabend die PKK hinter den Terrorakten vermutet. Unklar ist, wie groß der Einfluss der PKK auf die TAK ist.

Die Zahl der Toten des Doppelanschlags stieg inzwischen auf 44. Darunter sind nach Regierungsangaben 36 Polizisten und 8 Zivilisten. Ob die Zahl den Selbstmordattentäter beinhaltet, war unklar. Nach Angaben des türkischen Innenministeriums wurden die Explosionen durch eine Autobombe und einen Selbstmordattentäter ausgelöst. (dpa)