US-Kabinett

Trumps Außenminister-Favorit gilt als Putin-Versteher

Öl-Manager und Putin-Versteher Rex Tillerson soll Trumps Außenminister werden. Nicht nur bei den Demokraten regt sich nun Widerstand.

Rex Tillerson ist Chef des weltweit größten Öl-Konzerns Exxon-Mobil. Trump möchte ihn als seinen Außenminister haben.

Rex Tillerson ist Chef des weltweit größten Öl-Konzerns Exxon-Mobil. Trump möchte ihn als seinen Außenminister haben.

Foto: Alessandro Della Bella / dpa

Washington.  Man muss nur kurz bei Google nachschauen. Dann versteht man, wie Donald Trump auf seinen laut US-Medien immer wahrscheinlicher werdenden Außenminister-Kandidaten gekommen ist. Im Internet gibt es Dutzende Fotos, die den Boss des weltgrößten privaten Öl-Konzerns Exxon-Mobil und Russlands Präsidenten lächelnd, Hände schüttelnd und einander sichtlich zugetan zeigen.

Rex Tillerson und Wladimir Putin kennen sich seit bald 25 Jahren. Damals bahnte Tillerson die ersten großen Öl- und Gasförderungs-Geschäfte in Russland an. Der Draht hat alle Unwetter im amerikanisch-russischen Verhältnis überstanden. Exxon-Mobil investiert (und verdient) im Reich des Kreml-Herrschers Milliarden.

Regelmäßiger Kontakt zu Putin

Putin zeichnete den leidenschaftlichen Pferde- und Rinderzüchter aus Bartonville/Texas 2013 mit dem Orden der Freundschaft aus. Niemand aus der Top-Riege amerikanischer Entscheider hat in der Vergangenheit regelmäßiger mit Putin geredet und verhandelt als der 64-jährige Ingenieur mit der markanten silbergrauen Föhnfrisur.

Auf seinem angekündigten Weg zur Normalisierung der unter Obama zerrütteten Beziehungen zu Moskau will Donald Trump sich diese Verbindung zunutze machen. Tillerson, so streuten es Trumps Getreue flächendeckend über die Medien, könnte schon in dieser Woche vom designierten US-Präsidenten als Chef-Diplomat nominiert werden. Ein Öl-Manager an der Spitze des State Departements? Ein im politisch-administrativen Sinne unerfahrener Putin-Versteher als Außenminister?

Demokraten fürchten hohes Konfliktpotenzial

Nicht nur die gebeutelten Demokraten in Washington, die bereits von einem „Komplizen Putins“ sprechen, stöhnen auf und kündigen präventiv Querschüsse an. Widerstand hätte Tillerson bei den vorgeschriebenen Anhörungen im Senat auch von einflussreichen Republikanern wie John McCain und Lindsey Graham zu erwarten. Sie sehen in der russisch-amerikanischen Männerfreundschaft „jede Menge Konfliktpotenzial“. McCain: „Putin ist ein Gangster, Rüpel und Mörder.“

Trump dagegen sieht vor allem Chancen. Im Fernsehen nannte er den jährlich an die 30 Millionen Dollar verdienenden Manager einen Akteur von „Weltklasse-Format“, der milliardenschwere Deals abschließt, viele Staats- und Regierungschefs seit langem persönlich kennt und profunde Kenntnisse über die geopolitischen Verhältnisse besitzt. Da ist viel dran. Wenn man die Welt mit Öl-Augen betrachtet.

Exxon-Mobil gilt als „Staat im Staate“

Wäre Exxon-Mobil ein Land, stünde es nach Umsatz (zuletzt über 300 Milliarden Dollar) und Vermögen unter den ersten 30 Volkswirtschaften der Erde. In guten Jahren erzielte die Firma einen Gewinn von 40 Milliarden Dollar. Der Konzern, der aus dem 1911 zerschlagenen Rockefeller-Imperium Standard Oil hervorgegangen ist und 1998 mit dem Konkurrenten Mobil fusionierte, ist in über 70 Staaten aktiv.

60 Prozent der Belegschaft von rund 75.000 Angestellten sind Nicht-Amerikaner. Das auf Exzellenz und Marktführerschaft gedrillte Unternehmen unterhält in konfliktreichen Weltgegenden Sicherheitsapparate in Armeestärke, um seine Anlagen zu schützen, und gilt nach dem Standardwerk von Steven Coll („Private Empire“) als ein von Washington nahezu unabhängiger „Staat im Staate“.

Interessenkonflikte vorprogrammiert

Tillerson, nach außen bärbeißig, im kleineren Kreis humorvoll und überlegt argumentierend, brächte im Falle seiner Nominierung jede Menge Ballast mit. Er ist ein Gegner der unter Obama angeordneten Sanktionen gegen Russland im Zuge der Krim-Annektion.

Exxon-Mobil hat dadurch nach eigenen Angaben eine Milliarde Dollar verloren. Ein Riesen-Projekt im Volumen von 500 Milliarden Dollar mit dem russischen Partner Rosneft zur Förderung von Öl und Gas in der Arktis liegt auf Eis. Als Außenminister geriete Tillerson in einen Interessenkonflikt, sollte er auf Lockerung des Sanktionsregimes drängen.

Umweltschutzverbände kritisieren Tillerson scharf

Der wegen seiner Fixiertheit auf fossile Brennstoffe „T. Rex“ genannte Pfadfinder hat das Riesen-Unternehmen zögerlich aus der Ecke der Klimawandel-Leugner geholt. Tillersons Credo: A) Menschengemachte Erderwärmung gibt es. Aber man kann sie gut managen. B) Öl und Gas werden auch noch in 30 Jahren zu 80 Prozent den weltweiten Energiebedarf decken.

Obwohl Tillerson für eine Steuer auf fossile Brennstoffe ist („carbon tax“) und – anders als Trump – das Pariser Klimaschutzabkommen unterstützt, gilt der mit seiner Frau Renda auf einer Farm bei Dallas wohnende Manager in Umweltschutzverbänden „als der Erzfeind schlechthin“.

CIA: Russische Hacker haben Clinton in Verruf gebracht

Ein Grund neben der unvergessenen Öl-Tanker-Katastrophe der Exxon Valdez 1989 vor Alaska: Der Konzern hat laut New Yorker Justiz die Öffentlichkeit jahrelang über die ökologischen Folgen seines Tuns belogen und Wissenschaftler finanziert, die den Klimawandel bestritten haben. Bereits in den 70er Jahren, so Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman, habe Exxon-Mobil gewusst, dass fossile Brennstoffe das Weltklima schädigen, diese Informationen aber unter Verschluss gehalten.

Die Personalie Tillerson fällt zeitlich ungünstig zusammen mit neuen Erkenntnissen über eine massive Einmischung des Kremls in die abgelaufene US-Wahl. Laut Geheimdienst CIA haben russische Hacker durch Cyber-Attacken die demokratische Kandidatin Hillary Clinton in Verruf gebracht, um dem Republikaner Donald Trump ins Amt zu helfen.

Trump bezichtigt CIA der Lüge

„Akteure“, die in Verbindung mit der Putin-Regierung stünden, hätten 20.000 in der Parteizentrale der Demokraten (DNC) erbeutete E-Mails der Enthüllungsplattform Wikileaks zugänglich gemacht. Dadurch kam heraus, dass Clintons Mitbewerber Bernie Sanders gezielt sabotiert wurde. Dagegen seien Daten, die bei den Republikaner abgegriffen wurden, „auffälligerweise“ zurückgehalten worden, zitieren US-Zeitungen CIA-Mitarbeiter.

Während Präsident Obama eine umfassende Untersuchung anordnete, bezichtigte Donald Trump den Geheimdienst indirekt der Lüge und bestritt jede russische Einmischung in die Wahl: „Das sind die gleichen Leute, die gesagt haben, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt.“ Noch einen Schritt weiter ging Trumps künftiger Stabschef Reince Priebus, bis vor kurzem Parteivorsitzender der Republikaner (GOP). Im US-Fernsehen sagte er am Sonntag, der von der CIA behauptete Datendiebstahl bei der GOP habe niemals stattgefunden.