Stichwahl

Van der Bellen gewinnt Präsidentenwahl in Österreich

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Während Alexander Van der Bellen (re.) am Wahlabend jubelt, musste Konkurrent Norbert Hofer (li.) seine Niederlage eingestehen.

Während Alexander Van der Bellen (re.) am Wahlabend jubelt, musste Konkurrent Norbert Hofer (li.) seine Niederlage eingestehen.

Foto: LEONHARD FOEGER / REUTERS

Alexander Van der Bellen hat die Präsidentenwahl in Österreich gewonnen. Sein Konkurrent Norbert Hofer gestand seine Niederlage ein.

Wien.  Die Bundespräsidentenwahl in Österreich hat der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen laut einer Hochrechnung des österreichischen Fernsehsenders ORF praktisch gewonnen.

Der 72-Jährige kam demnach am Sonntag auf 53,3 der Stimmen. Der Kandidat der ausländer- und europakritischen FPÖ, Norbert Hofer (45) erreichte 46,7 Prozent. Die Schwankungsbreite betrug 1,0 Prozent. Damit lag Van der Bellen laut Hochrechnung uneinholbar vorn.

Wahl mit internationaler Beachtung

Die Hochrechnung berücksichtigt bereits die 700.000 Briefwahlstimmen, die erst am Montag ausgezählt werden. Die Wahl war international stark beachtet worden.

Der Wirtschaftswissenschaftler Van der Bellen hatte sich im Wahlkampf als pro-europäisch präsentiert. Scharf kritisierte er vor allem das von der FPÖ unter gewissen Bedingungen geforderte Referendum über einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union.

Alexander Van der Bellen zeigte sich von der Deutlichkeit seines Sieges überrascht. „Ich habe schon gehofft, dass es gut geht“, sagte er beim Eintreffen in der Wiener Hofburg. Allerdings habe er nicht mit diesem Vorsprung gerechnet. „Ich bin dankbar“, so Van der Bellen.

Hofer gestand Niederlage früh ein

In dem Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentenwahl sah der Ex-Grünen-Chef einen Weckruf für Österreich und warnte vor einer Machtübernahme durch die FPÖ. „Lassen Sie den 4. Dezember den Flügelschlag sein, der zumindest Österreich und Europa wieder in die richtige Richtung prägt“, hatte er seine Landsleute nach dem Wahlsieg Trumps aufgefordert.

Norbert Hofer gestand am frühen Abend seine Niederlage ein. „Ich bin unendlich traurig, dass es nicht geklappt hat. Ich hätte gerne auf unser Österreich aufgepasst“, schrieb Hofer auf Facebook. Er gratulierte seinem Mitbewerber Alexander Van der Bellen zu dessen Sieg. Er kündigte an, bei der nächsten Wahl des Staatsoberhaupts in Österreich einen neuen Versuch starten: „Es wird wieder Präsidentenwahlen geben, und da werde ich wieder antreten. Ich bin meinen Wählern verpflichtet.“

Gabriel: „Europa atmet auf“

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel erklärte in einer ersten Reaktion auf die Ergebnisse aus Wien: „Ganz Europa fällt ein Stein vom Herzen!“ Das Wahlergebnis sei ein klarer Sieg der Vernunft gegen den Rechtspopulismus in Europa.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Wahl Van der Bellens als Signal gegen Populismus begrüßt. „Wäre das das Ergebnis, wäre das ein gutes Zeichen gegen Populismus in Europa“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend.

Auch die CDU hat erleichtert auf den Sieg des ehemaligen österreichischen Grünen-Chefs Alexander Van der Bellen bei der Bundespräsidentenwahl im Nachbarland reagiert. Auf ihn komme nun die Aufgabe zu, „die österreichische Gesellschaft nach diesem langen und harten Wahlkampf wieder zusammenzuführen“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er freue sich sehr darüber, dass Van der Bellen die österreichische Bundespräsidentenwahl klar für sich entschieden habe.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) gratulierte Van der Bellen zu dessen Sieg bei der Bundespräsidentenwahl. Der Erfolg Van der Bellens sei „eine schwere Niederlage für Nationalismus, Rückwärtsgewandtheit und antieuropäischen Populismus“, schrieb Schulz am Sonntagabend auf Twitter. Van der Bellen habe mit einer klaren pro-europäischen Botschaft gewonnen.

Wahl im dritten Anlauf

Der österreichische Bundespräsident kann im Gegensatz zu seinem deutschen Pendant die Regierung eigenmächtig entlassen. Van der Bellen hatte eine zurückhaltende Amtsführung angekündigt. Er gilt als glühender Europa-Fan.

Es war der dritte Anlauf für die Wahl des Staatsoberhaupts. Am 22. Mai hatte zwar Van der Bellen bereits ganz knapp die Stichwahl gewonnen. Diese Wahl war aber wegen organisatorischer Schlampereien annulliert worden. (dpa)

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