Washington/berlin

Künftiger Präsident Trump stichelt gegen China

| Lesedauer: 2 Minuten
Dirk Hautkapp

Steinmeier erinnert ihn an Wert der Beziehungen zu Peking

Washington/berlin.  Bevor US-Präsidenten mit Amtskollegen in anderen Ländern telefonieren, wird das Außenministerium konsultiert. Es kennt rund um den Globus die heiklen Themen und die Empfindlichkeiten des diplomatischen Protokolls. Umso größer war dort das Entsetzen, als Donald Trump am Freitag mit einem Fingerstreich fast 40 Jahre lang praktizierte Zurückhaltung aufgab und plötzlich mit Taiwan sprach. Genauer: mit Staatsoberhaupt Tsai Ing-wen. Seit 1979, seit Washington seine Botschaft in Taiwan schloss und der damalige Präsident Jimmy Carter damit offiziell China als Herrscher über die Insel anerkannte, hat es das nicht gegeben. Der Fall hat das Zeug zum Skandal.

Die Machthaber in Peking halten Taiwan für eine Provinz auf Abwegen. Taiwan sieht sich als unabhängige Demokratie. Von einem Versehen Trumps redet niemand. Eher von einer „gefährlichen Provokation“ an die Adresse des Landes, das der designierte Obama-Nachfolger bereits im Wahlkampf als großen wirtschaftlichen und machtpolitischen Gegenspieler ausgemacht hat. Das Weiße Haus distanzierte sich von Trumps Alleingang: „Wir bleiben streng unserer Ein-China-Politik verpflichtet“.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat Trump unterdessen an die Bedeutung der Beziehungen zu China und Europa erinnert. „Der angekündigte Ausstieg der USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP macht einen außenpolitischen Fokus der Amerikaner auf China noch dringlicher“, sagte der SPD-Politiker dieser Zeitung. Steinmeier betonte, man müsse sich darauf einstellen, dass sich die US-Außenpolitik verändern werde. Die Amerikaner würden ihre Forderung an die Europäer, sich stärker an der Gewährleistung der eigenen Sicherheit zu beteiligten, „sicher noch deutlicher formulieren“. Er gehe aber nicht davon aus, dass es zu einem Rückzug der USA aus der Nato komme.

Erst kürzlich hatte Trump durch ein Telefonat mit Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif Stirnrunzeln ausgelöst. Die Atommacht beherbergte nicht nur Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden. Auch die Kommando-Ebenen der Taliban und anderer Terrorgruppen suchen hier Schutz. Obama hat in seiner Amtszeit einen Besuch in Islamabad vermieden. Trump dagegen lobte Sharif über den grünen Klee.

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