Politik

Fußball im Namen des Vaters

| Lesedauer: 4 Minuten

Viele Fußballer-Söhne eifern ihren prominenten Vätern nach, doch nur wenigen gelingt der Durchbruch

Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Die Gesichtszüge, die Statur, dazu das strahlend weiße Trikot von Real Madrid – wer Enzo Zidane in Aktion sieht, fühlt sich unweigerlich an seinen berühmten Vater Zinedine erinnert, der gemeinhin als der beste Fußballer seiner Generation gilt. Der frühere Profi und heutige Trainer der Königlichen war ein Maestro, eine perfekte Melange aus Kraft und Eleganz, aus Übersicht, Spielverständnis und Technik. Vieles davon, so scheint es, hat er Sohn Enzo (21) mit in die Wiege gelegt.

Seit dem späten Mittwochabend kursiert ein Video im Internet, das Fußballfans auf der ganzen Welt in Schnappatmung versetzt. Darin zu sehen: der erste Pflichtspieleinsatz von Zidane junior für die erste Mannschaft von Real. Von seinem Vater eingewechselt, gelingt dem Filius prompt sein erster Treffer – und was für einer. Ein Pass aus dem linken Mittelfeld auf den freistehenden Mitspieler, danach ein entschlossener Sprint an die Strafraumkante; der Ball kommt zurück, kurze Körpertäuschung, ein platzierter Schuss, drin. Ein echter Zidane.

Nicht nur wegen dieser Szene träumen die Fans in Madrid nun von weiteren Heldentaten des Spielmachers, dabei handelte es sich nur um ein Tor bei einem 6:1 gegen einen Zweitligisten im Pokal. Reichlich überzogen, aber längst kein Einzelfall. Der Schlussfolgerungsreflex ist ja hinlänglich bekannt: je berühmter der Vater, desto vielversprechender das Talent des Sohnes.

Auch bei Hertha werden die Zukunftshoffnungen inzwischen mit dem Nachwuchs zweier Ex-Spieler verknüpft. Palko Dardai (17), Sohn von Chefcoach Pal, zählt ebenso zum „goldenen Jahrgang“ des Vereins wie Maurice Covic (18), der Sohn des heutigen U23-Trainers Ante. Beide U19-Kicker wurden schon mehrfach ins Profi-Training beordert, aber geschenkt wird ihnen nichts. Der Sohn des Trainers habe es ohnehin immer schwerer, meint Dardai, „du musst immer mehr tun als die anderen“. Der Ungar weiß, wovon er spricht, er selbst wurde einst von seinem Vater Pal senior zum Profi gemacht, seinerseits ebenfalls ein erfolgreicher Ex-Spieler.

Als er mit 16 zu den Männern wechselte, erzählt Dardai, sei er des Öfteren weinend nach Hause gekommen, weil er so klein und schmächtig war. Sohn Palko, 1,65 Meter, 65 Kilo, geht es ähnlich, doch der Werdegang des Vaters – immerhin Herthas Rekordspieler – macht natürlich Hoffnung.

Die Vorzüge der vermeintlichen Edel-Sprösslinge, sie sind ja nicht von der Hand zu weisen. Stimmt das Talent, können Sie von den Erfahrungen und Tipps ihrer Väter stark profitieren. Dem gegenüber steht allerdings die Bürde des großen Namens, an dem schon Generationen von Fußballer-Söhnen gescheitert sind. Erwartungen von außen, Erwartungen an sich selbst – immer gepaart mit der Angst, den Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Wie etwa soll es gelingen, das fußballerische Erbe eines Franz Beckenbauer fortzuführen? Wie, in die Fußstapfen eines Zinedine Zidane zu treten? Der junge Stephan Beckenbauer verließ Bayern München einst, weil er seinen Vater „nicht mehr sehen konnte“. Für Enzo Zidane ist zu hoffen, dass es ihm besser ergeht.

Natürlich lassen sich auch Gegenbeispiele finden. Klaus Sammer, DDR-Nationalspieler und später erfolgreicher Trainer von Dynamo Dresden, ließ Sohn Matthias zwar lange zappeln, ehe er ihn in die DDR-Oberliga hievte, aber geschadet hat es dem Rotschopf augenscheinlich nicht. Nach dem Mauerfall legte Sammer junior jedenfalls eine famose Karriere hin, in der er fast so viele Titel gewann wie Zidane.

Eine weitere gelungene Übergabe des Familien-Staffelstabs findet sich in Berlin. Herthas Mitchell Weiser (22) scheint seinen Vater Patrick Weiser (340 Profispiele) ebenfalls zu überflügeln. Dafür, dass es bei Palko Dardai und Maurice Covic ähnlich läuft, werden sie in der blau-weißen Fan-Gemeinde ein Stoßgebet Richtung Fußballgott schicken. Im Namen des Vaters – und des Sohnes …

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