Bertelsmann-Studie

Angst vor Globalisierung sorgt für EU-weiten Populismus

Wer wählt AfD, den FN oder UKIP? Und warum? Laut einer Studie sind es vor allem EU-Bürger, die Angst vor der Globalisierung haben.

Uneinigkeit beim Thema Globalisierung: Die Mehrheit der Europäer (55 Prozent) sieht internationale Verflechtungen als Chance, fast jeder zweite (45 Prozent) aber als Gefahr.

Uneinigkeit beim Thema Globalisierung: Die Mehrheit der Europäer (55 Prozent) sieht internationale Verflechtungen als Chance, fast jeder zweite (45 Prozent) aber als Gefahr.

Foto: Soeren Stache / dpa

Gütersloh.  Angst vor der Globalisierung spielt beim Erfolg von rechtspopulistischen Parteien in Europa die entscheidende Rolle. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch in Gütersloh vorstellt. Länderübergreifend sehen vor allem die Anhänger der AfD (78 Prozent), des französischen Front National (76) und der FPÖ in Österreich (69) die Globalisierung als Bedrohung.

In allen untersuchten Ländern zählt sich mindestens die Hälfte der Anhänger der rechtsnationalen Parteien wie der italienischen Forza Italia oder der britischen UKIP zu den Globalisierungspessimisten, wie es in der Studie mit dem Titel „Globalisierungsangst oder Wertekonflikt?“ heißt.

„Faktor Angst hat etwas Positives“

„Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen. Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen“, sagt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, zum Studien-Ergebnis.

Für die Forscher dabei überraschend: Der persönliche Wertekompass, also ob sich die Befragten eher liberal, konservativ oder autoritär einschätzen, spielt für die Anziehungskraft der populistischen Parteien nur eine untergeordnete Rolle. Isabell Hoffmann, Autorin der Studie, sieht im Faktor Angst etwas Positives: „Das ist ein Hoffnungsschimmer für die Politik, denn Angst lässt sich leichter auflösen als fest zementierte Werte.“

Große Unterschiede innerhalb der EU

Insgesamt spaltet das Thema Globalisierung die Europäer. Die Mehrheit von 55 Prozent sieht internationale Verflechtungen als Chance, fast jeder zweite (45 Prozent) aber als Gefahr. Und dabei gilt: „Je niedriger das Bildungsniveau und je höher das Alter der Befragten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Globalisierung als Gefahr empfinden“, sagt Hoffmann.

Der Blick auf die einzelnen EU-Länder zeigt allerdings auch große Unterschiede und Überraschungen. Nach dem Brexit-Votum, also der Entscheidung der britischen Wähler für ein Verlassen der EU, leben in Großbritannien mit 64 Prozent EU-weit die meisten Globalisierungsoptimisten.

Österreich hat die meisten Pessimisten

Deutschland liegt mit einer Optimisten-Mehrheit von 55 zu 45 Prozent im Trend. Die meisten Pessimisten leben mit 55 und 54 Prozent in Österreich und Frankreich. Italien und Spanien, deren Bürger massiv unter der Finanzkrise nach 2007 gelitten haben, sind mit jeweils 61 Prozent auch mehrheitlich Globalisierungs-Befürworter.

Für die Studie wurden im August 2016 knapp 15.000 Bürger repräsentativ für die EU befragt. Eine Frage lautete: „Denken Sie, die Globalisierung ist eine Bedrohung oder eine Chance?“ (dpa)