Volksabstimmung

Mehrheit der Schweizer lehnt schnellen Atomausstieg ab

Die Schweizer haben am Sonntag über die Zukunft ihrer fünf Atomkraftwerke abgestimmt. Das Ergebnis fällt überraschend eindeutig aus.

Greenpeace-Aktivisten entrollten am Sonntag ein Protestbanner vor dem Atomkraftwerk im schweizerischen Beznau. Es gilt als das älteste kommerziell betriebene AKW der Welt.

Greenpeace-Aktivisten entrollten am Sonntag ein Protestbanner vor dem Atomkraftwerk im schweizerischen Beznau. Es gilt als das älteste kommerziell betriebene AKW der Welt.

Foto: Urs Flueeler / dpa

Bern.  Mit unerwartet deutlicher Mehrheit haben sich die Schweizer in einer Volksabstimmung gegen einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft entschieden. Die von den Grünen eingebrachte Atomausstiegsinitiative bekam am Sonntag 45,8 Prozent der Stimmen. Gegen den geforderten Atomausstieg bis spätestens 2029 stimmten 54,2 Prozent der Schweizer. Damit setzten sich Regierung, Parlament und Wirtschaftsverbände durch, die einen schrittweisen Ausstieg bis 2050 anpeilen.

Mit der Volksinitiative „Für einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie“ wollten die Grünen erreichen, dass drei der fünf Kernkraftwerke bereits im kommenden Jahr vom Netz genommen werden. Die beiden verbliebenen Anlagen wären 2024 und 2029 abgeschaltet worden. Der Initiative waren eigentlich gute Chancen eingeräumt worden, da sie in Umfragen auf hohe Zustimmung gestoßen war. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 45 Prozent.

Das älteste AKW der Welt liegt an der Grenze zu Deutschland

Die Befürworter sahen vor allem die alternden Atomkraftwerke in Ballungsgebieten als Sicherheitsrisiko: Beznau I, seit 1969 in Betrieb, gilt als ältestes kommerziell betriebenes AKW der Welt. Die Anlage liegt etwa sechs Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Initiatoren des Referendums hatten vorgeschlagen, mit dem beschleunigten Atomausstieg erneuerbare Energiequellen wie Wasser, Sonne, Wind und Biomasse auszubauen.

Die Regierung sorgte sich dagegen um die Versorgungssicherheit. Der Bezug von Strom aus Atomkraftwerken in Frankreich oder Kohlekraftwerken in Deutschland sei auch ökologisch nicht sinnvoll, so die Argumentation. Zudem könnten die Kraftwerksbetreiber vom Bund – und damit von den Steuerzahlern – Schadenersatz fordern.

40 Prozent des Schweizer Stroms kommt aus AKW

Die Betreiber Alpiq, Axpo und BKW deuteten an, dass sie bei einem Ja mehr als sieben Milliarden Franken (6,51 Milliarden Euro) einfordern könnten. In Deutschland, das bis 2022 aus der Atomenergie aussteigen will, haben die AKW-Betreiber vor Gericht milliardenschwere Schadenersatzforderungen geltend gemacht.

Die Schweizer AKWs produzieren rund 40 Prozent des Stroms in der Alpenrepublik. Der Rest kommt vor allem aus Wasserkraftwerken. Alle fünf Atomanlagen haben eine unbefristete Betriebsbewilligung. Sie dürfen also am Netz bleiben, so lange sie als sicher eingestuft werden. (rtr/dpa)