Ex-Präsident

Fidel Castro ist tot – Er war Kubas ewiger Revolutionär

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Klaus Ehringfeld
Visionär, Kommunist, Kämpfer: Kubas Ex-Präsident Fidel Castro hat sein Land geprägt wie kein zweiter – und manchmal die Welt in Atem gehalten.

Visionär, Kommunist, Kämpfer: Kubas Ex-Präsident Fidel Castro hat sein Land geprägt wie kein zweiter – und manchmal die Welt in Atem gehalten.

Foto: Alejandro Ernesto / dpa

Guerillero, Staatsmann, Frauenheld: Fidel Castro war eine schillernde Persönlichkeit und machte Weltpolitik. Ein Porträt zu seinem Tod.

Havanna.  Irgendwann während seines langen Lebens sagte Fidel Castro einmal diesen Satz: „Ich habe ein echtes Problem. Wenn ich eines Tages tot bin, wird es mir niemand glauben.“ Vermutlich ist kein anderer Mensch so oft für tot erklärt worden, wie der kubanische Revolutionsführer.

638 Attentatspläne und Mordversuche gegen ihn habe es im Laufe seiner 47 Jahre an der Macht gegeben, behauptet die offizielle kubanische Zählung. Der US-Geheimdienst CIA, die Exil-Kubaner oder die Mafia haben Fidel mit explodierenden Zigarren, mit Giftpfeilen und Dolchen, mit Handgranaten, Feuerwaffen, vergifteten Kugelschreibern oder mit gedungenen Geliebten zur Strecke zu bringen versucht.

Er spielte schon lange keine tragende Rolle mehr

Am Ende aber starb Fidel Alejandro Castro Ruz eines natürlichen Todes. Der „historische Führer“, wie er in den vergangenen Jahren genannt wurde, starb am Freitagabend um 22.29 Uhr Ortszeit in Havanna. Dies teilte sein Bruder Raúl Castro mit schwerer Stimme in einer kurzen Nachricht im Staatsfernsehen mit. Fidel Castro wurde 90 Jahre alt.

Auch wenn er schon lange keine politisch tragende Rolle mehr spielte, ist es für viele Kubaner trotzdem ungewohnt, dass Fidel Castro nicht mehr da ist. Der starrköpfige und hartherzige Mann begleitete so viele Generationen, dass man sich die Welt tatsächlich ohne ihn nur schwer vorstellen kann. Er hat seinen festen Platz im kollektiven Gedächtnis des Landes.

Castro prägte eine Generation junger Leute

Als der 32-Jährige Castro mit seinen bärtigen Guerilleros Anfang Januar 1959 in Havanna einmarschierte, regierte in Deutschland noch Konrad Adenauer, war Brasilien gerade zum ersten Mal Fußball-Weltmeister geworden. Und in Lateinamerika waren fast überall die Eliten an der Macht und scherten sich nicht um die großen sozialen Ungleichheiten.

Fidel Castro hat Generationen von jungen Leuten geprägt, war ihnen Vorbild oder abschreckendes Beispiel, der ruppige und robuste Revolutionär war eine der dominierenden, faszinierendsten und umstrittensten politischen Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts.

Castro war eine Legende zu Lebzeiten

Die letzte große Figur des Kalten Kriegs, Legende zu Lebzeiten. Angebeteter, Ziel des Hasses Hunderttausender, Volks- und Frauenheld. Ein begnadeter Redner mit Aussehen und Ausstrahlung, der Freund und Feind in seinen Bann ziehen konnte: „Wenn er Dir die Hand auf die Schulter legt, sagt Du nach zehn Minuten Ja zu allem“, hat mal ein Mitkämpfer berichtet.