Ehrung

Syrische Weißhelme erhalten Alternativen Nobelpreis

Die Weißhelme sind für Menschen in Syrien oft die einzige Hoffnung. Der Alternative Nobelpreis an sie ist provoziert manche aber auch.

Einsatz in den Kriegstrümmern, oft unter großer Gefahr für das eigene Leben: Mit solchen Bildern sind die „Weißhelme“ weltbekannt geworden.

Einsatz in den Kriegstrümmern, oft unter großer Gefahr für das eigene Leben: Mit solchen Bildern sind die „Weißhelme“ weltbekannt geworden.

Foto: © Sultan Kitaz / Reuters / REUTERS

Stockholm.  Große Feierstimmung dürfte bei den syrischen Weißhelmen nicht aufgekommen sein: Während ihr Vertreter in Schweden den Alternativen Nobelpreis entgegennahm, twitterte die Organisation aus Syrien Bilder von neuen Angriffen mit fünf Toten.

Die syrischen Weißhelme, oder Zivilschutzkräfte, wie sie sich auch nennen, versuchen, das Leben im vom Bürgerkrieg erschütterten Land irgendwie aufrecht zu erhalten. Ihr Leiter Raed al Saleh sagte in Stockholm, er nehme die Auszeichnung stellvertretend für die syrischen Zivilisten entgegen, die jeden Tag schrecklichen Bombenangriffen ausgesetzt sind. Ihren Einsatz erklärte die Organisation einmal so: „Einem Menschen das Leben zu retten, verändert die Welt nicht, aber für diesen Menschen ändert es die Welt für immer.“ Hinter den Weißhelmen stecken 3000 Freiwillige, die Verletzte aus Bombentrümmern retten und die Infrastruktur wieder instandsetzen.

Für Assad-Regime Terroristen

Auf Twitter gab es an der Entscheidung auch Kritik: In regierungsnaher syrischer Propaganda werden die Zivilschutzkräfte oft als Terroristen dargestellt, die Preisvergabe wird als Teil westlicher Stimmungsmache diffamiert. Es gibt auch Vorwürfe, dass die Organisation falsche Bilder verbreite, um Stimmung zu machen.

Die Weißhelme sind einer von vier Preisträgern des „Der Right Livelihood Awards“. Der Gründer des Preises, Jakob von Uexküll, sagte, es seien Menschen, die trotz aller Widrigkeiten für die grundlegenden Rechte auf Leben, Gleichheit, Bildung und Meinungsfreiheit kämpften. „Sie haben keine Angst, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen.“

Insgesamt vier Preisträger

Der Preis wird traditionell an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben. Dotiert ist er mit einem Preisgeld von drei Millionen schwedischen Kronen (rund 313.000 Euro). Die weiteren Preisträger in diesem Jahr waren die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan, die Journalisten der türkischen Oppositionszeitung „Cumhuriyet“ sowie die Russin Svetlana Gannushkina, die in ihrer Heimat Flüchtlingen hilft. Sie warnte vor den rechten, politischen Kräften in der Welt. Sie würden mit Anti-Einwanderungs-Slogans vorgeben, ihre Landsleute schützen zu wollen. „Radikalisierung ist eine ernsthafte Herausforderung an die zivile Gesellschaft“

Die „Cumhuriyet“-Journalisten und die Ägypterin Hassan konnten nicht teilnehmen. Die türkischen Reporter sitzen in Haft, Hassan durfte nicht ausreisen. Sie wurde per Video zugeschaltet und sagte, die Auszeichnung bedeute für sie, dass die Welt Feministinnen in Ägypten nicht als Randfiguren, sondern als wesentliche Akteure für den Wandel wahrnehme. (dpa/law)