Washington

Trump rückt das Weiße Haus nach rechts

Der designierte Präsident setzt auf treue und stramm konservative Gefolgsleute und die eigene Familie

Washington. An seinem Kabinett solle man seine integrativen Absichten erkennen, hat Donald Trump im Wahlkampf versprochen: „Ich werde der Präsident aller Amerikaner sein.“ Nach den ersten Personalentscheidungen wachsen Zweifel. Auf dem Feld der inneren und äußeren Sicherheit hat der 70-Jährige stramme Gefolgsleute installiert, die auf einen „unversöhnlichen Rechtskurs“ schließen lassen, wie US-Medien schreiben.

Mit Jeff Sessions übernimmt ein Hardliner das Justizministerium, dem vor 30 Jahren wegen Rassismusvorwürfen eine Karriere als Bundesrichter verwehrt wurde. Der 69-jährige Senator aus Alabama hat sich als erbitterter Gegner einer humanen Einwanderungspolitik hervorgetan. Er hält das Phänomen wachsender Polizeigewalt gegen Afroamerikaner für eine Medienübertreibung und lehnt die Legalisierung von Marihuana ab. Sessions hängt noch immer eine Äußerung über den rassistischen Ku-Klux-Klan nach: „Ich dachte immer, die sind okay. Bis ich herausbekam, dass sie dort kiffen.“ Der Republikaner soll für Trump den rechtlichen Durchgriff für die Abschiebung von drei Millionen vorbestraften illegalen Einwanderern gewährleisten. Bürgerrechtsorganisationen fürchten unter Sessions das „Ende des Diskriminierungsschutzes für Minderheiten“.

Michael Flynn (57), Trumps oberster Sicherheitsberater, hat vor allem unter Muslimen für Aufregung gesorgt. Der unter Obama wegen eines kompromisslosen Führungsstils zwangspensionierte Drei-Sterne-General war Chef des Militärgeheimdienstes DIA. Er pflegt gute Kontakte nach Russland, wo er dem kremlhörigen Propaganda-Sender RT oft Interviews gibt. Flynn sagt, der Islam sei keine Religionsgemeinschaft. Sondern eine „politische Ideologie“. Zitat: „Angst vor Muslimen ist rational.“

Schon die Ernennung Steve Bannons zum Chefstrategen für das Übergangsteam wurde von Menschenrechtsgruppen und Bürgerrechtlern mit Entsetzen aufgenommen. Medienmann Bannon war auch mit antisemitischen Äußerungen auffällig geworden.

Mike Pompeo, bisher einfacher Kongressabgeordneter aus Kansas, soll den Auslandsgeheimdienst CIA führen. Der 52-Jährige hält Foltermethoden bei Verhören Terrorverdächtiger für zumutbar und wirbt für die Aushebelung des Atomdeals mit dem Iran. Sie alle stehen für ein klares Kontrastprogramm zur Obama-Regierung. Sie lassen bei oppositionellen Demokraten die Alarmglocken schrillen. Und sie alle genießen das Vertrauen jenes „Schattenkabinetts“, auf das sich Trump am meisten verlässt: die eigene Familie.

Drei seiner Kinder und ein Schwiegersohn sitzen im Leitungsgremium, das bis zur Amtseinführung am 20. Januar die Regierungsmannschaft formiert. Trump, von Natur aus misstrauisch, verlässt sich auf den Rat seiner Kinder, die künftig das Imperium des Vaters führen sollen. Kritiker sehen darin einen Interessenkonflikt. Vor allem die Rolle von Schwiegersohn Jared Kushner, der als wichtigster „Einflüsterer“ Trumps gehandelt wird, scheint vielen suspekt. Wer sind diese Trumps?

Melania Trump (46), dritte Ehefrau, Ex-Model aus Slowenien, Mutter des jüngsten Sohnes: Barron (10). Im Wahlkampf hatte sie kaum Auftritte. Einer davon verunglückte, weil in ihrer Rede jede Menge Michelle Obama steckte; ohne Quellenverweis. Melania Trump will sich als First Lady auf den Jugendschutz konzentrieren. Obwohl ganz nahe dran, wird sie wie auch Tiffany Trump (23), das einzige Kind aus der Ehe Trumps mit der Schauspielerin Marla Maples, fachpolitisch keine aktive Rolle im Weißen Haus spielen. Sie hat kein Interesse.

Ivanka Trump (35), Mutter von drei Kindern, verheiratet mit Jared Kushner, einst Fotomodel, führt Firmen, die Mode und Schmuck vertreiben. Ihre Brüder nennen sie „Papas kleine Prinzessin“. Mit ihrer ausgeruhten Art war sie das weibliche Antiserum zu ihrem Vater im Wahlkampf. Für viele Beobachter ist sie die eigentliche First Lady. Ivanka Trump hat die sozialpolitischen Aspekte im Wahlprogramm geprägt. Mutterschaftsurlaub, Bildungschancen. Sie wird die wichtigste informelle Beraterin des Präsidenten. Indiz: Beim ersten Vier-Augen-Gespräch Trumps mit einem ausländischen Regierungschef, Japans Premierminister Shinzo Abe, saß Ivanka gegen alle Protokoll-Gepflogenheiten als Zuhörerin daneben.

Donald Trump Jr. (38), der erste Sohn aus der ersten Ehe mit der Tschechin Ivana Trump, hat Finanzen und Immobilien studiert. Fünffacher Vater, verheiratet mit dem Model Vanessa. Donald Jr. gilt als Heißsporn. Er hat im Wahlkampf syrische Flüchtlinge mit Smarties verglichen. Manchmal seien vergifte Bonbons darunter – sprich: Terroristen.

Eric Trump (32), das jüngste der drei älteren Kinder, ist wie Donald Jr. und Ivanka als Vizepräsident der Trump-Organisation tätig. Ihm gehört das größte Weingut Virginias. Er glaubt, sein Vater sei ein Mann vom Kaliber des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King. Liebt gemeinsam mit seinem Bruder die Großwildjagd. Verheiratet mit einer früheren Fitnesstrainerin.

Jared Kushner (35) ist der Ehemann von Ivanka, ein Multimillionär aus der Immobilienbranche, dem auch die Zeitung „New York Observer“ gehört. Trumps Schwiegersohn ist die graue Eminenz. Zurückhaltend und höflich hat der aus einer reichen Familie stammende Unternehmer den Wahlkampf maßgeblich geprägt, Kontakte zu Geldgebern und Schwergewichten wie Henry Kissinger hergestellt und – als Redenschreiber – Trumps antipalästinensische Israel-Politik umrissen. Diplomaten, die ihn kennenlernen durften, sprechen von einem „scheuen Talent, mit dem man rechnen muss, wenn Donald Trump längst Geschichte ist“.