US-Präsident

Obama-Rede in Athen ist eine Ode an die Demokratie

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Gerd Höhler
US-Präsident Barack Obama besucht am Mittwoch die Akropolis. An seiner Seite war Eleni Banou vom griechischen Kulturministerium.

US-Präsident Barack Obama besucht am Mittwoch die Akropolis. An seiner Seite war Eleni Banou vom griechischen Kulturministerium.

Foto: KEVIN LAMARQUE / REUTERS

Der griechische Regierung hat Barack Obamas Lob gefallen. Am Ende weiß sie aber: viel bewegen kann der verlässliche Partner nicht mehr.

Athen.  Es war ein leidenschaftliches Plädoyer, das Barack Obama am Mittwochnachmittag vor tausend Zuhörern im Niarchos-Kulturzentrum in Athen hielt. Und es begann mit einer Reverenz an Griechenland, „diese kleine, große Welt, der wir das wertvollste Geschenk überhaupt verdanken – Dimokratía“.

Obama benutzte das griechische Wort. Wo sonst, wenn nicht hier, hätte er diese Rede halten können – eine Ode an die Demokratie und zugleich ein politisches Vermächtnis des scheidenden US-Präsidenten.

„Demokratie ist größer als jede Einzelperson“

Die Demokratie der Antike sei zwar alles andere als vollkommen gewesen, wie auch die ersten Gehversuche der Demokratie in den Vereinigten Staaten nicht perfekt waren, sagte Obama. Aber trotz aller Mängel und Rückschläge sei die Demokratie unersetzlich. Die Geschichte zeige, dass demokratisch regierte Länder „stabiler, gerechter und erfolgreicher sind“, so Obama.

Die Demokratie sei freilich oft auch schwierig, „vor allem, wenn dein Kandidat nicht gewinnt“, scherzte Obama in Anspielung auf die US-Präsidentenwahl. Der Name Trump fiel zwar in der einstündigen Rede nicht, aber Obama kam auf seinen Nachfolger zu sprechen: „Unterschiedlicher könnten wir nicht sein“, sagte der Präsident, „aber die Demokratie ist größer als jede Einzelperson“. Sorgen angesichts der Wachablösung im Weißen Haus suchte er mit der Versicherung zu zerstreuen: „Wir werden okay sein.“

Anerkennung für die europäische Integration

Anerkennung für die europäische Integration, „eine der größten Errungenschaften in der Menschheitsgeschichte“, verband Obama mit der Warnung vor „Nationalismus, Sektierertum und Stammesdenken“ – eine genauso brandaktuelle Mahnung wie der Appell an die Politik: „Wir müssen klarmachen, dass Regierungen dafür da sind, dem Interesse der Bürger zu dienen, und nicht umgekehrt.“ Obama: „Die Menschen müssen wissen, dass sie gehört werden.“

Obama brach eine Lanze für die Globalisierung, die zu mehr Wohlstand und Bildung geführt habe, forderte aber zugleich eine Kurskorrektur, um „dem tief empfundenen Gefühl der Ungerechtigkeit“ zu begegnen.

US-Präsident wirbt wieder für Schuldenerlass für Griechenland

Wie bei jedem seiner öffentlichen Auftritte in Athen, plädierte Obama in seiner Rede erneut dafür, dem krisengeplagten Land mit Schuldenerleichterungen zu helfen: „Eine Entlastung ist entscheidend, um Griechenland auf einen nachhaltigen Weg zurückzuführen und der Jugend wieder eine Perspektive zu geben.“

Er sei überzeugt, „dass Griechenland wieder bessere Zeiten erleben wird.“ Das hörte Premierminister Alexis Tsipras sichtlich gern. Er kann angesichts miserabler Umfragewerte Zuspruch gut gebrauchen.

Obama bekommt Sonderführung im Parthenon-Tempel

Begonnen hatte der zweite Tag des US-Präsidenten in Athen mit einem Besuch auf der Akropolis. Während sich vor den Propyläen und am Parthenon sonst die Besucher drängen, waren am Mittwoch nur schwarz gekleidete Sicherheitsbeamte zu sehen.

Dem prominenten Gast wurde etwas zuteil, das gewöhnlichen Besuchern verwehrt bleibt: Er durfte das Innere des Parthenon-Tempels betreten, der sonst nur für die Archäologen zugänglich ist. Noch ein Novum: Während Haustiere normalerweise keinen Zutritt zur Akropolis haben, schnüffelten vor Obamas Ankunft mehrere Spürhunde in den Ruinen nach Sprengstoff.

Nicht alle Griechen freuen sich über Besuch

Nicht allen Griechen war der Präsident willkommen. Linke Gruppen hatten ihn auf Plakaten zur „unerwünschten Person“ erklärt. Während Obama am Dienstagabend nach dem Ende des Staatsbanketts über abgesperrte Straßen in sein Hotel im Küstenvorort Vouliagmeni zurückfuhr, demonstrierten in der Athener Innenstadt mehrere Tausend Menschen gegen den „Repräsentanten der imperialistischen Politik der USA“.

Bei den Demonstranten handelte es sich überwiegend um Anhänger der stalinistischen griechischen KP und des kommunistischen Gewerkschaftsbundes Pame. Als Demonstranten versuchten, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und zur amerikanischen Botschaft zu marschieren, flogen mehrere Molotowcocktails. Die Polizei antwortete mit Tränengas.

Tausende Polizisten wegen Obama im Einsatz

Über 4000 griechische Polizisten waren zum Schutz des US-Präsidenten auf den Beinen – und erleichtert, als der Gast am Mittwochnachmittag kurz vor 16 Uhr wohlbehalten seine Air Force One bestieg, um nach Berlin weiterzufliegen.

Aus Sicht der griechischen Regierung war der Obama-Besuch ein Erfolg. Premierminister Alexis Tsipras weiß zwar: Der scheidende Präsident kann nicht mehr viel bewegen, zumal der Nachfolger Donald Trump heißt und nicht Hillary Clinton. Dennoch kann Tsipras zufrieden sein.

Premierminister Tsipras hat einen Verbündeten gefunden

Obama lobte die Reformanstrengungen des Krisenlandes, attestierte „Fortschritte“, stellte freilich auch fest, dass noch „erhebliche Herausforderungen bevorstehen“.

Tsipras, der seit Monaten von den Gläubigern Griechenlands Schritte fordert, um die Schuldenlast seines Landes tragfähig zu machen, hat in Obama bei diesen Bemühungen einen Verbündeten gefunden. Der US-Präsident versprach, er werde bei seiner nächsten Station, also in Berlin, „für meine Überzeugung werben, dass Sparpolitik allein keinen Wohlstand schafft“ und dass Griechenland „substanzielle Schuldenerleichterungen“ braucht, um wieder auf die Beine zu kommen.

Die Blicke der Griechen richten sich nun auf Angela Merkel.

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