News-Website

Trumps Hofmedium „Breitbart News“ kommt nach Deutschland

Die rechtsgerichteten „Breitbart News“ halfen Trump an die Macht. Nun wollen sie die AfD unterstützen – mit einem deutschen Ableger.

Bevor ihn Donald Trump zu seinem Wahlkampfmanager machte, war Stephen Bannon (Mitte) Firmenchef von „Breitbart News“. Nun soll er zum Chefberater des Präsidenten aufsteigen.

Bevor ihn Donald Trump zu seinem Wahlkampfmanager machte, war Stephen Bannon (Mitte) Firmenchef von „Breitbart News“. Nun soll er zum Chefberater des Präsidenten aufsteigen.

Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS

Berlin.  Die deutsche Medienlandschaft könnte bald wachsen. Das rechtskonservative US-Medium „Breitbart News“ plant nach Angaben von Chefredakteur Alexander Marlow Redaktionen in Deutschland und Frankreich zu eröffnen. Ziel soll es sein, gewählte rechtspopulistische Politiker zu unterstützen. Die AfD klatscht bereits Beifall.

„Breitbart kommt nach Deutschland. Fantastisch!“, schrieb etwa die AfD Heidelberg auf Twitter: „Das gibt ein Erdbeben in unserer verkrusteten Medienlandschaft.“ Laut Marlow laufen bereits Bewerbungsgespräche mit Journalisten, ein genauer Termin für den Start in Deutschland steht aber noch nicht fest.

Wahlkampf-Medium für Donald Trump

Größere Bekanntheit hat „Breitbart News“ zuletzt durch seine massive Unterstützung von Donald Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf erlangt. Firmenchef Stephen Bannon, ein früherer Banker und Berater der erzkonservativen Republikanerin Sarah Palin, wechselte gar im August als Wahlkampfmanager in Trumps Kampagnenteam. Nun soll er zum Chefberater des künftigen Präsidenten aufsteigen.

„Breitbart News“ versteht sich laut Bannon als „wichtigstes Sprachrohr der Alt-Right“, der alternativen Rechten in den USA. Die Bewegung ist ein loser Zusammenschluss weißer Nationalisten, Antisemiten und Migrantengegnern. Die „New York Times“ spricht in einem Artikel über „Breitbart News“ von „ideologisch getriebenen Journalisten“, die regelmäßig fremden- und frauenfeindliche Standpunkte vertreten. Auch Verschwörungstheorien fänden in dem Medium Platz.

Irreführende Berichterstattung

Im Wahlkampf tat sich das Medium mit Stimmungsmache gegen Hillary Clinton hervor, aber auch die Führung der republikanischen Partei und der parteinahe Sender Fox News waren Zielscheiben. Als etwa der Republikaner Bill Kristol, Redakteur des „The Weekly Standard“, sich gegen Trump als Parteikandidaten aussprach, titelte „Breitbart News“: „Bill Kristol: Republican Spoiler, Renegade Jew“ (zu deutsch etwa: Bill Kristol: Republikanischer Spielverderber, jüdischer Überläufer), was von vielen als antisemitisch kritisiert wurde.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr unter anderem auch eine irreführende Geschichte über die schwarze Regierungsangestellte Shirley Sherrod. Sie wurde entlassen, weil sie sich feindselig gegenüber einem weißen Farmer zu äußern schien. „Breitbart News“ hatte das entsprechende Video jedoch zu ihren Ungunsten geschnitten. Sherrod wurde daraufhin ein neuer Job angeboten, den sie ablehnte.

„Breitbart News“ engagierte sich für Brexit

Auf dem US-Markt ist „Breitbart News“ bereits seit 2007 präsent. Gegründet vom inzwischen verstorbenen Blogger Andrew Breitbart sollte das Medium nach dessen Vorstellung eine „Huffington Post von rechts“ werden. Mit etwa 37 Millionen Besuchern im Oktober 2016 und 240 Millionen Klicks kommt „Breitbart News“ bisher zwar nur auf etwa ein Sechstel des Traffics der „Huffington Post“, befindet sich aber im Aufwind: Nach eigenen Angaben waren die Zugriffszahlen noch nie so gut.

„Breitbart News“ gibt es außer in den USA bereits in Jerusalem und London. Bannon hatte das Medium 2013 nach Großbritannien gebracht, weil er ein Geschäft in der Anti-EU-Kampagne gesehen haben soll. Er sollte Recht behalten: Laut der Nachrichtenagentur Reuters war der 23. Juni 2016, der Tag, an dem die Briten für den Brexit stimmten, der bislang erfolgreichste für die Nachrichtenseite.