US-Beziehungen

Wie die Bundesregierung bei Trump noch im Nebel stochert

Die Bundesregierung hat bisher kaum Kontakte ins Lager des designierten US-Präsidenten. Was er von Deutschland hält, bleibt rätselhaft.

Im Verhältnis zu den USA mit einem Präsidenten Donald Trump könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch manches Mal befremdet schauen - oder auch nicht?

Im Verhältnis zu den USA mit einem Präsidenten Donald Trump könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch manches Mal befremdet schauen - oder auch nicht?

Foto: imago stock&people / imago/ZUMA Press

Washington/Berlin.  Ein Telefonat ist in diesen Tagen schon ein Erfolg. Ein Kontakt zwischen dem neu gewählten US-Präsidenten und der mächtigsten Frau Europas, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) – eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch seit Donald Trump die Mehrheit der Wahlmänner auf sich vereinen konnte, ist nur noch wenig „üblich“.

Nach dem Telefonat Merkels mit Trump lässt ein Regierungssprecher etwa die Frage offen, von wem der Gesprächswunsch ausgegangen war. Auch die Frage nach der Gesprächsdauer beantwortet er nicht. Und über das, was der designierte US-Präsident zu Merkel gesagt hat, gibt es ebenfalls keine Auskunft. Nur so viel: Merkel habe erneut betont, dass Deutschland und Amerika durch gemeinsame Werte eng verbunden seien und sie auf dieser Basis mit Trump zusammenarbeiten wolle. Der Rest braucht offenbar Zeit.

Erstes Treffen Ende Mai 2017?

So wie der Kalender aussieht, werden sich Merkel und Trump zum ersten Mal Ende Mai 2017 in Italien beim G7-Treffen der großen Industrienationen in Italien die Hand schütteln. Dann wieder im Juli, wenn die G20 in Hamburg an Land gehen.

Merkel und Trump betreten dann Neuland. Sie kennen sich nicht, haben sich persönlich nie gesehen. Was Trump aber nicht davon abhielt, öffentlich über die Bundeskanzlerin zu urteilen. Im Wahlkampf benutzte der Bauunternehmer die deutsche Regierungschefin als Punchingball, um seine Anti-Muslim-Agenda zu erläutern. Tenor: In Deutschland herrsche Chaos und Kriminalität, könne keine Frau mehr unbesorgt über die Straße gehen, seit Merkel Millionen Flüchtlingen aus Syrien und Irak unverantwortlich ins Land gelassen habe.

Merkel hob Werte hervor

Man muss davon ausgehen, dass Trump die Tiraden bis zum ersten Treffen verdrängt haben wird. Der Milliardär ist bekannt dafür, schon morgen zu dementieren, was er heute gesagt hat.

Die Kanzlerin wiederum bedeutete Trump in ihrem Glückwunschschreiben den Willen zur offenen Zusammenarbeit. Allerdings auf dem Fundament eines gemeinsamen Kanons, der „Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung“ beinhaltet. Werte also, gegen die Trump im Wahlkampf nachweisbar mehr als einmal verstoßen hat.

Merkel ist Trump bei politischer Erfahrung jedenfalls haushoch überlegen. Sie hat jede größere internationale Krise in den vergangenen elf Jahren mitgemacht. Regierungschefs in London, Paris, Peking und, ja, auch Moskau schätzen Merkel als verlässliche Größe. Als unprätentiösen Gast, bei dem viele Fäden zusammenlaufen. Als Frau, die Moscheen auf ihre Reisen zwar besichtigt, aber ihr Haar dennoch nie bedeckt. Die auch Gemeinheiten ihrer Gastgeber aushält, etwa einen Hund des russischen Präsidenten Wladimir Putins zu ihren Füßen, was sie nicht ausstehen kann. „Da kann auch ein Trump kommen“, formuliert es ein Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes.

Regierung stochert viel im Nebel

Doch abgesehen vom Optimismus, dass die deutsche Regierungschefin es persönlich wohl auch mit einem testosterongesteuerten Milliardär aufnehmen kann, herrscht in Berlin viel Nebel. Da ermahnt etwa Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den designierten US-Präsidenten zur Bündnistreue in der Nato.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sagt eine „Menge Kontinuität“ in der Außenpolitik voraus. Und der Sprecher des Auswärtigen Amtes bedeutet, man möge sich noch ein klein wenig gedulden. Man werde hinter den Kulissen natürlich Kontakt aufnehmen zu Menschen, „von denen wir wissen, ahnen oder vermuten“, dass sie in der Außenpolitik zuständig seien.

Politiker suchen Kontakt zum Trump-Apparat

In den nächsten Tagen fliegen nun auch Politiker aus Berlin über den Atlantik. Sie wollen Kontakte anbahnen mit einem sich erst formierenden Trump-Apparat. Vorher war das schlicht nicht möglich. Im Trump-Team fühlte sich niemand für Deutschland/Europa zuständig. Dabei gibt es, ausgelöst durch viele Volten im Wahlkampf, erhöhten Gesprächsbedarf.

Will Trump der Nato und damit auch Deutschland wirklich eine höhere Rechnung präsentieren? Ist das ins Stocken geratene Handelsabkommen TTIP tot oder atmet es nur schwer? Wer in Washington Trump-Leute fragt, hört die Standardantwort: „Noch keine Ahnung. Hat keine Priorität. Wir müssen uns erst einmal hier richtig aufstellen.“

Experte erwartet anderen Trump

Falsch sei aber die Annahme, Trump werde mit der Tür ins Haus fallen und Merkel mit fertigen Forderungen konfrontieren. „Er ist sehr gut darin, Erwartungen zu unterlaufen“, sagt ein republikanischer Stratege. Der Kontrast zum „sexistischen Großsprecher“, der im Wahlkampf „oft kenntnisfrei“ dahergeredet hat, werde erheblich sein.

Am Donnerstag kommt Barack Obama nach Berlin. Der scheidende US-Präsident wird unter vier Augen sicher darüber Auskunft geben, wie sich die Übergabe der Regierungsgeschäfte entwickelt. Und wie man mit seinem Nachfolger vielleicht am besten klarkommt.