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Verlegerpräsident mahnt: Es geht um die Freiheit der Presse

Verleger-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner sorgt sich um die Pressefreiheit. Die Medien müssten eine immer komplexere Welt erklären.

Stephan Holthoff-Pförtner bei seiner Rede auf dem Publishers' Summit des Verlegerverbandes in Berlin.

Stephan Holthoff-Pförtner bei seiner Rede auf dem Publishers' Summit des Verlegerverbandes in Berlin.

Foto: Thomas Lohnes / Getty Images for VDZ

Berlin.  Der neue Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Stephan Holthoff-Pförtner, hat die Bedeutung der Presse als wesentliche Säule der Demokratie betont. „Wir sind Träger besonderer Werte, die wir offensiv gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vertreten“, sagte Holthoff-Pförtner am Dienstag in Berlin.

Ihm gehe es nicht nur um die Meinungsfreiheit, sondern auch um die Pflicht, in der Gesellschaft wahrhaft und sorgfältig zu informieren. Dies gelte für alle Medien.

„Die Zeiten verlangen uns mehr Mut ab“

Der Anwalt und Gesellschafter der Funke Mediengruppe, zu der auch dieses Portal gehört, äußerte sich auf dem Publishers’ Summit in Berlin. „Es geht um die Verteidigung der Freiheit der Presse“, sagte Holthoff-Pförtner. Sie schaffe die wahren Bedingungen für Deutschland, für Europa und für eine freie Zivilgesellschaft.

„Die kommenden Zeiten werden ohne Zweifel politisch und gesellschaftlich komplizierter, sie werden uns mehr Mut und mehr Haltung abverlangen“, betonte Holthoff-Pförtner weiter. Den Verlegern käme mehr denn je die Aufgabe zu, die Debatte innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen und zu moderieren. Die verlegerischen Werte Pressefreiheit, Vielfalt und Wettbewerb seien dabei untrennbar mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit verbunden: Nur journalistische Produkte, die sich wirtschaftlich selbst tragen, seien wirklich unabhängig.

Fall Can Dündar als mahnendes Beispiel

In diesem Zusammenhang verwies er auf das Schicksal des türkischen Journalisten Can Dündar. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung „Cumhuriyet“ wurde wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen zu fast sechs Jahren Haft verurteilt. Er legte Berufung gegen das Urteil ein und lebt inzwischen in Deutschland. „Wir reden über die Freiheit und die Gefährdung der Freiheit“, sagte der VDZ-Präsident. Dündar werde nur deshalb verfolgt, weil er seine Wahrheit gesagt hat und auch weiterhin sagen werde.

Zudem wies Holthoff-Pförtner auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Verlage hin. Sie sei zwingende Voraussetzung für journalistische Unabhängigkeit und damit für die Qualität der Berichterstattung.

Holthoff-Pförtner einstimmig gewählt

Holthoff-Pförtner war am vergangenen Sonntag einstimmig zum neuen Präsidenten des VDZ gewählt worden. Er löste den Verleger Hubert Burda ab, der 20 Jahre lang an der Spitze des Verbandes stand und nun sein Amt niederlegte.

Die Kernaussagen einer neuen Studie zum Thema „Wirkung, Relevanz, Glaubwürdigkeit“ präsentierte Renate Köcher, Geschäftsführerin Institut für Demoskopie Allensbach. Die Bundesbürger halten Zeitschriften und Zeitungen demnach für deutlich glaubwürdiger als soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter.

69 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren würden bei unterschiedlichen Meldungen über ein und dasselbe Ereignis eher Zeitschriften und Zeitungen glauben, acht Prozent würden eher den sozialen Netzwerken vertrauen, so die Studie. Es gebe keine generelle Vertrauenskrise der Medien in Deutschland, allerdings existiere eine Neigung in weiten Kreisen der Bevölkerung, die Glaubwürdigkeit der Medien zu hinterfragen. So habe der Wert der Glaubwürdigkeit vor drei Jahren noch bei 85 Prozent gelegen. (epd)