Gesetzentwurf

Union und SPD wollen Kinderehen grundsätzlich verbieten

In Deutschland hat sich die Zahl der Kinderehen erhöht. Die große Koalition will dem jetzt einen Riegel vorschieben – ohne Ausnahmen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) soll einen neuen Gesetzentwurf vorlegen, der Kinderehen ausnahmslos verbietet.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) soll einen neuen Gesetzentwurf vorlegen, der Kinderehen ausnahmslos verbietet.

Foto: Oliver Dietze / dpa

Berlin.  Die große Koalition will Kinderehen künftig ausnahmslos verbieten. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte am Dienstag in Berlin, Ehen von jungen Menschen unter 18 Jahre sollen ohne Ausnahmen und ohne Härtefallklauseln grundsätzlich verboten werden. Junge Frauen, die verheiratet waren – und gegebenenfalls deren Kinder – sollen vom Jugendamt intensiv betreut werden.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte: „Niemand von uns möchte, dass seine Kinder mit 14, 15, 16 oder 17 verheiratet werden. Kinder sollten in dem Alter zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen.“

Maas für Einzelfallprüfung

Die Union hatte ein Verbot ohne Wenn und Aber gefordert. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wollte aber, dass eine Anerkennung von im Ausland geschlossenen Ehen in besonderen Härtefällen – etwa wenn es in der Ehe bereits ein Kind gibt – nach einer Einzelfallprüfung möglich ist. Er soll nun bald einen neuen Gesetzentwurf präsentieren.

In Deutschland darf derzeit nur heiraten, wer volljährig ist – wenn das Familiengericht aber zustimmt, ist die Eheschließung auch für Jugendliche im Alter ab 16 Jahren erlaubt. In Koalitionskreisen hieß es, Familienrichter hielten es für schwer einschätzbar, ob die Kinder wirklich heiraten wollten oder von ihrer Familie unter Druck gesetzt wurden.

2015 mehrere hundert Kinderehen

Nach der Einreise Hunderttausender Flüchtlinge im vergangenen Jahr haben die Behörden mehrere hundert Kinderehen registriert. Laut Ausländerzentralregister waren Ende Juli 1475 in Deutschland lebende ausländische Minderjährige verheiratet. (dpa)