Angriff

Unbekannte zünden Sprengsatz an Theater in Chemnitz

Unbekannte Täter haben eine Explosion an einem Theaterclub in Chemnitz verursacht. Dort wird ein Stück zur Terrorgruppe NSU aufgeführt.

Ein Blick ins Lokomov. Deutlich zu sehen: die Fensterscheibe des Theaterclubs, die durch die Explosion komplett zersplitterte.

Ein Blick ins Lokomov. Deutlich zu sehen: die Fensterscheibe des Theaterclubs, die durch die Explosion komplett zersplitterte.

Foto: Facebook Lokomov

Chemnitz.  In Chemnitz ist in der Nacht zu Dienstag offenbar ein Sprengstoffanschlag auf den alternativen Theaterclub Lokomov verübt worden. Wie das Lokomov auf seiner Facebook-Seite berichtet, sei gegen 2 Uhr ein „ohrenbetäubender Knall“ zu hören gewesen. „Es wurde eine Schaufensterscheibe samt Teilen des Fensterrahmens auf den Fußweg geschleudert“, heißt es.

Die Polizei sprach dagegen nicht von einem Sprengstoffanschlag. Eine Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz räumte jedoch ein, dass es sich „möglicherweise um Pyrotechnik“ als Ursache des Anschlags handeln könnte. Die Polizei ermittelt nach einen Angaben wegen „des Verdachts der Sachbeschädigung“.

Kritik an Polizei

Lars Fassmann, Betreiber des Lokomovs und Eigentümer des Gebäudes, bemängelt, dass die Polizei keine Spurensicherung durchgeführt habe. Angesichts von sechs Anschlägen in den vergangenen drei Jahren glaubt er, dass die Polizei „die Ernsthaftigkeit für die Situation unterschätzt.“ Eine Absicht will er den Ermittlern allerdings nicht unterstellen. „Die haben einfach keine Leute“, sagte Fassmann unserer Redaktion.

Fassmann geht bei den geflüchteten Tätern davon aus, dass es sich bei ihrem Motiv um einen „Einschüchterungsversuch“ wegen eines derzeit an dem Theater aufgeführten Stücks handelt, das sich mit den Anschlägen der rechten Terrorgruppe NSU auseinandersetzt. „Das Lokomov war in vergangener Zeit immer wieder Ziel von rechtsextremen Anschlägen“, schreibt der Club in dem Facebook-Beitrag weiter.

Theater war öfter Ziel von Anschlägen

So sollen mehrfach Scheiben eingeschlagen und die Fassade des Gebäudes mit Farbbeuteln beschmissen worden sein. Zudem seien in dem Quartier rund um das Lokomov Graffitis und Sticker mit Aufschriften wie „Nazi-Kiez“ zu finden. „Es verdichten sich die Hinweise, dass sich hier in der Gegend rechtsradikale Strukturen bilden“, sagte Fassmann.

„Mit diesem traurigen Höhepunkt einer ganzen Reihe von Angriffen auf Einrichtungen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, ist eine neue Ebene der politisch motivierten Gewalt aus der rechten Szene erreicht“, erklärte die Chemnitzer Grünen-Politikerin Petra Zais. Sie sieht die Schwelle zum Terrorismus überschritten.

Lomokov will am Mittwoch wieder öffnen

Bei dem Anschlag auf das Gebäude, in dem sich Menschen aufgehalten haben sollen, wurde niemand verletzt. Laut den Betreibern entstand ein Sachschaden in Höhe von 2500 Euro. Betreiber Fassmann kündigte an, ab Mittwoch wieder den Betrieb aufnehmen zu wollen. (mit epd/dpa)