Terrorgefahr

Zwei mutmaßliche IS-Unterstützer nach Razzien in U-Haft

Schlag gegen die deutsche Islamisten-Szene: Fünf Verdächtige wurden festgenommen. Unter ihnen befindet sich der IS-Anwerber Abu Walaa.

Ein Verdächtiger wird zur Vorführung in die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gebracht.

Ein Verdächtiger wird zur Vorführung in die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gebracht.

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin.  Die Sicherheitsbehörden haben bei Einsätzen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen einen der mutmaßlich wichtigsten Unterstützer der Terrormiliz IS in Deutschland festgenommen. Der 32 Jahre alte Iraker Abu Walaa gilt als prägende Figur der bundesweit einflussreichen Islamisten-Szene in Hildesheim.

Nach monatelangen Ermittlungen wurden am Dienstagmorgen insgesamt fünf IS-Verdächtige verhaftet. Die Männer ausländischer Herkunft sollen nach Angaben der Bundesanwaltschaft Freiwillige für den Islamischen Staat (IS) rekrutiert haben. Hinweise auf Anschlagspläne in Deutschland gibt es demnach nicht.

De Maizière spricht von „wichtigem Erfolg“

Zwei der fünf festgenommenen mutmaßlichen IS-Unterstützer sind in Untersuchungshaft genommen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Die drei anderen IS-Verdächtigen, darunter der 32 Jahre alte Iraker Abu Walaa, sollen am Mittwoch dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

Über den Einsatz der Sicherheitsbehörden hatten zuerst NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Einer der Terrorverdächtigen traf am Dienstagmittag beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein. Abu Walaa sollte nach dpa-Informationen erst am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die Haftbefehle waren bereits am 26. Oktober ausgestellt worden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wertete die Verhaftungen als „wichtigen Erfolg“. Diese gute Nachricht zeige, dass die Sicherheitsbehörden „aktiv, entschlossen und wachsam sind“, sagt er in Berlin.

Junge Muslime für Dschihad angeworben

Bei den Verhafteten handelt sich laut Bundesanwaltschaft um den 32-jährigen irakischen Staatsangehörigen Ahmad Abdulaziz Abdullah A. (Szenename: Abu Walaa), den 50-jährigen Türken Hasan C., den 36-jährigen deutschen und serbischen Staatsangehörigen Boban S., den 27-jährigen deutschen Staatsangehörigen Mahmoud O. und den 26-jährigen Ahmed F. Y. aus Kamerun.

Fünf mutmaßliche IS-Anwerber in Deutschland verhaftet

Die Bundesanwaltschaft habe seit Herbst 2015 gegen den Iraker und mutmaßliche Helfer ermittelt. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den sogenannten „Heiligen Krieg“, den Dschihad, angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben.

Behörden beobachteten Umfeld schon länger

Abu Walaa sei es vorbehalten gewesen, Ausreisen zu billigen und zu organisieren, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Das Netzwerk habe nachweislich einen jungen Mann samt seiner Familie zum IS nach Syrien geschleust.

Erst Ende Juli hatte es Durchsuchungen gegeben. Unter den kontrollierten Objekten sei die Moschee des „Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim“ (DIK) in der Hildesheimer Nordstadt gewesen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete die Moschee damals als „bundesweiten Hot-Spot der radikalen Salafistenszene“. Die Sicherheitsbehörden hatten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Moschee zu Ausreisen nach Syrien gekommen war.

Abu Walaa oft als salafistischer Redner aufgetreten

In Hildesheim durchsuchten Polizisten am Dienstagmorgen eine Wohnung. Außerdem waren die Beamten in der DIK-Moschee im Einsatz. Bei Einsätzen in den Ruhrgebietsstädten Dortmund und Duisburg sowie in Tönisvorst nahe Düsseldorf nahm die Polizei nach Angaben des NRW-Innenministeriums zwei mutmaßliche IS-Anhänger fest.

Sie sollen Teil des salafistischen Netzwerks um den Iraker sein. Der Iraker Abu Walaa hat seinen Wohnsitz nach Angaben des NRW-Innenministeriums in Tönisvorst und sei oft als salafistischer Redner aufgetreten.

IS-Rückkehrer hatte wohl Anteil an Festnahmen

Laut NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ hatten die Aussagen eines IS-Rückkehrers maßgeblichen Anteil an den Festnahmen. Der 22-Jährige war nach einem Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen und hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrormiliz losgesagt.

Bevor er Ende September nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe der Mann NDR, WDR und „SZ“ in der Türkei ein Interview gegeben, in dem er den Iraker Abu Walaa schwer belastet und als „die Nummer 1 des IS in Deutschland“ bezeichnet habe. Die Beschuldigten hätten – soweit sie sich in der Vergangenheit dazu geäußert hätten – eine Verbindung zum Terrorismus verneint. (dpa)