Nato-Einsatz

US-Armee vermutet zivile Opfer bei Luftschlag in Kundus

Bei einem Luftschlag der Nato in Kundus wurden vermutlich 30 Zivilisten getötet. Die US-Armee hält die Berichte für „wahrscheinlich“.

Vermutlich sind 30 Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, bei dem Luftangriff der Nato gegen die Taliban in Kundus ums Leben gekommen.

Vermutlich sind 30 Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, bei dem Luftangriff der Nato gegen die Taliban in Kundus ums Leben gekommen.

Foto: Najim Rahim / dpa

Kabul.  Die US-Streitkräfte in Afghanistan haben bestätigt, dass bei einem mutmaßlichen Nato-Luftangriff auf radikalislamische Taliban in der nordafghanischen Provinz Kundus diese Woche „wahrscheinlich“ auch Zivilisten ums Leben gekommen sind. Dies hätten erste Ermittlungen ergeben, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme.

Der Gouverneurspalast in Kundus hatte schon am Donnerstag gemeldet, dass bei einer gemeinsamen Aktion ausländischer Truppen 30 Zivilisten getötet und 26 weitere verwundet worden seien. Unter den Todesopfern seien auch Kinder und Frauen.

Bundeswehr offenbar nicht beteiligt

„Unabhängig von den Umständen bedauere ich den Verlust unschuldiger Leben sehr“, sagte der Oberbefehlshaber der US- sowie der Nato-Streitkräfte in Afghanistan, General John W. Nicholson. Der Tod von Zivilisten sei eine „Tragödie“.

Die Bundeswehr ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht an dem Luftangriff beteiligt gewesen. Der Angriff in der nördlichen Provinz Kundus sei „nicht im Rahmen der Operation Resolute Support“ erfolgt, an der sich die Bundeswehr beteilige, sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin.

Nato: Haben afghanische Streitkräfte geschützt

General Charles Cleveland, der Sprecher der US-Streitkräfte sowie der Nato-Mission Resolute Support (RS) in Afghanistan, berichtete bereits am Freitag, dass afghanische Streitkräfte bei einem Einsatz unter Feuer geraten seien. Die Nato habe Luftschläge ausgeführt, um sie zu schützen.

„Wir nehmen alle Beschuldigungen zu zivilen Opfern sehr ernst“, hieß es in der Erklärung weiter. Da dies eine afghanische Operation gewesen sei, werde die Nato mit ihrem Partner arbeiten, um den Vorfall zu untersuchen, bald aber für Fragen dorthin verweisen.

Emotionale Proteste

Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, Mohammed Radmanisch, sagte, dass auch afghanische Hubschrauber an dem Lufteinsatz beteiligt gewesen seien – „aber nur für den Nachschub und den Transport von Truppen“. Das Schießen habe die Nato übernommen. Alle zivilen Opfer gingen aber sicherlich auf das Konto der Taliban und nicht der Nato.

Der lokale Journalist Adschmal Kakar sagte, Anwohner der betroffenen Gegend hätten versucht, einige der Leichen in die nahe Provinzhauptstadt zu bringen, seien aber daran gehindert worden. Medien berichteten von emotionalen Protesten.

Operationsleiter der Taliban getötet

Nach offiziellen Angaben sind bei dem Einsatz auch viele Talibankämpfer getötet worden, die Zahlen gehen aber auseinander. Provinzratsmitglied Fausia Jaftali sprach von 30 getöteten Kämpfern, Ministeriumssprecher Radmanisch von 14 toten Taliban, und Gouverneurssprecher Danisch von 26 getöteten Aufständischen.

Einig sind sich die Quellen, dass unter ihnen der Operationsleiter der Taliban für Kundus war, Mullah Taki. Die Taliban hätten sich in Häusern von Zivilisten versteckt.

700 Luftangriffe in diesem Jahr

Nato-Luftangriffe werden üblicherweise von den US-Streitkräften durchgeführt. Die USA haben in Afghanistan in diesem Jahr um die 700 Luftangriffe auf Stellungen der Taliban sowie der Terrormiliz IS geflogen. Es gibt zunehmend Berichte über zivile Opfer.

Erst Ende September waren bei einem US-Drohnenangriff in der Ostprovinz Nangarhar mindestens 15 Zivilisten ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen hatten den Vorfall scharf verurteilt.

Im Juni starben bei einem Luftangriff auf ein Talibangefängnis in Kundus nach lokalen Angaben mindestens sieben Zivilisten. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ein US-Helikopter eine Klinik der Organisation Ärzte ohne Grenzen für eine Talibanstellung gehalten und fast eine Stunde lang beschossen. Mehr als 40 Menschen, darunter Ärzte und Patienten, starben. (dpa)