Türkei

Haftbefehl für „Cumhuriyet“-Chefredakteur und Mitarbeiter

Der Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, Murat Sabuncu, muss ins Gefängnis. Das Blatt gilt als regierungskritisch.

„Wir geben nicht auf“ stand auf der Titelseite der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ vom 1. November 2016. Nun wurde Haftbefehl gegen ihren Chefredakteur erlassen.

„Wir geben nicht auf“ stand auf der Titelseite der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ vom 1. November 2016. Nun wurde Haftbefehl gegen ihren Chefredakteur erlassen.

Foto: Linda Say / dpa

Istanbul.  Nach den Abgeordneten der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP müssen nun auch zahlreiche Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ in der Türkei ins Gefängnis. Ein Gericht in Istanbul verhängte am Samstag Untersuchungshaft gegen den „Cumhuriyet“-Chefredakteur Murat Sabuncu und acht seiner Mitarbeiter, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Sie waren am vergangenen Montag unter Terrorverdacht festgenommen worden.

Gegen Demonstranten, die in Istanbul ein Zeichen der Solidarität für die „Cumhuriyet“-Redaktion setzten wollte, setzte die türkische Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein. Tränengaswolken trieben am Samstag im Viertel Sisli, während Polizei-Hubschrauber am Himmel kreisten.

Zwölf HDP-Abgeordnete festgenommen

Bereits am Freitag hatte ein Gericht in der Kurdenmetropole Diyarbakir Untersuchungshaft gegen die HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag verhängt. Nach Angaben der Partei wurde insgesamt gegen neun ihrer Abgeordneten Haftbefehl erlassen. Darunter ist auch der Chef der Fraktion im Parlament in Ankara, Idris Baluken.

Bei Polizeirazzien waren insgesamt zwölf HDP-Abgeordnete festgenommen worden. Der deutsch-türkische Abgeordnete Ziya Pir und zwei weitere Parlamentarier wurden unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Die HDP teilte mit, mit weiteren Festnahmen müsse gerechnet werden. Erdogan beschuldigt die zweitgrößte Oppositionspartei im Parlament, der verlängerte Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein.

Internationale Kritik nach Festnahmen

Die Festnahmen der HDP-Abgeordneten riefen – wie zuvor bereits das Vorgehen gegen „Cumhuriyet“ – international Kritik hervor. Die „Cumhuriyet“-Mitarbeiter werden beschuldigt, die PKK und die Gülen-Bewegung unterstützt zu haben.

Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch von Mitte Juli verantwortlich. Gülen weist das zurück. Unter dem nach dem Putschversuch verhängten Ausnahmezustand geht die Regierung mit harter Hand gegen Gegner vor. (dpa)

Türkei - Neue Verhaftungen sorgen für Empörung in Europa