Lebensrettung

SPD will Kliniken für Organspenden künftig besser bezahlen

Die Zahl der Organspender liegt in Deutschland auf relativ niedrigem Niveau. Politiker und Ärzte werben deshalb um neues Vertrauen.

Seitdem vor vier Jahren Manipulationen bei der Vergabe gespendeter Organe bekannt geworden waren, ist die Zahl der Spenden stark zurückgegangen.

Seitdem vor vier Jahren Manipulationen bei der Vergabe gespendeter Organe bekannt geworden waren, ist die Zahl der Spenden stark zurückgegangen.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Berlin.  Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Karl Lauterbach hat gefordert, den Krankenhäusern mehr Geld für Organspenden zur Verfügung zu stellen. „Aufwand und Kosten der Organspende werden unterschätzt“, sagte Lauterbach dieser Redaktion. Man dürfe nicht am falschen Ende sparen.

„Gelungene Transplantationen sparen sehr viel Geld und ersparen langes Leid“, begründete Lauterbach den Vorstoß. Die Summe, die die Kassen zusätzlich ausgeben würden, mache sich kaum bemerkbar, weil sie ja bei den Behandlungskosten sparen würden. Die Ausgabe sei also „wahrscheinlich gratis“.

Zahl der Spenden ist stark zurückgegangen

Ärzte und die Politik suchen derzeit nach Wegen, mehr Menschen zu einer Organspende zu bewegen. Die Zahl der Spenden ist stark zurückgegangen, seit vor vier Jahren Manipulationen bei der Vergabe gespendeter Organe bekannt geworden waren.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery meint, noch wichtiger als der Vertrauensverlust der potenziellen Spender sei das fehlende Geld in den Krankenhäusern. So seien die Transplantationsbeauftragten an den Kliniken nicht ausreichend finanziert, auch die Gespräche der Ärzte mit Angehörigen würden nicht ausreichend bezahlt. Die Krankenkassen seien in dieser Hinsicht ein „Bremsklotz“.

18 Millionen Euro für Transplantationsbeauftragte

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wies diesen Vorwurf zurück. „Solange Herr Montgomery die dramatischen Verfehlungen in den Kliniken kleinzureden versucht und die Krankenkassen als Sündenböcke vorschiebt, wird er kein Vertrauen in die Transplantationsmedizin zurückgewinnen können“, sagte Verbandsvorstand Johann-Magnus von Stackelberg. Die Krankenkassen würden nur für Transplantationsbeauftragte in den Kliniken pro Jahr 18 Millionen Euro ausgeben.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte am Donnerstag, er wolle bei den Bürgern intensiv für Organspenden werben. Mehr als 10.000 schwerkranke Menschen warteten in Deutschland verzweifelt auf ein Spendeorgan. „Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Organ gefunden wird“, sagte Gröhe auf einer Veranstaltung der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Zentrales Organspende-Register soll kommen

Ein erster Schritt zu mehr Transparenz bei der Organvergabe soll ein zentrales Transplantationsregister sein, das Ärzte, Kliniken und Kassen aufbauen sollen.