Immobilien

Bauministerin plant Prämie für junge Familien zum Hausbau

Bundesbauministerin Hendricks will den Kauf von Wohneigentum mit 8000 bis 20.000 Euro fördern. Aber nur unter einer Voraussetzung.

Geht es nach Bundesbauministerin Hendricks sollen sich junge Familien mit staatlichen Zuschüssen Einfamilienhäuser besser leisten können.

Geht es nach Bundesbauministerin Hendricks sollen sich junge Familien mit staatlichen Zuschüssen Einfamilienhäuser besser leisten können.

Foto: imago stock / imago/Jochen Tack

Berlin.  Immobilien zählen aktuell in Deutschland zu den Geldanlagen mit den größten Chancen auf Wertzuwachs. Doch trotz niedriger Zinsen können sich viele Bürger kein Wohneigentum leisten. Insbesondere Familien in Großstädten haben Probleme, die teuren Grundstückspreise zu bezahlen. Selbst für den Mittelstand ist es eng, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Der Grund: Vielen fehlt das nötige Eigenkapital, um einen Kredit bei ihrer Bank zu erhalten.

Diesen Missstand will die Bundesregierung ändern. „Zur Förderung von Eigentum in besonders nachgefragten Regionen wollen wir gezielt Familien mit Eigenkapitalzuschüssen unterstützen“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) dieser Redaktion. Geplant sei eine Unterstützung für Familien zwischen 8000 und 20.000 Euro, je nach Anzahl der Kinder. Details stehen noch nicht fest.

Zulage soll 2017 kommen

Ein Eigenkapitalzuschuss ist laut Hendricks eine wichtige Voraussetzung, um Eigentum zu erwerben. Die Sozialdemokratin sei dazu bereits mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Gespräch. Die Zulage soll mit dem Haushalt 2017 eingeführt werden. Über die Förderung werde im November entschieden. Das Programm könnte mehrere Jahre laufen, sagte die Ministerin. Der Zuschuss müsse nicht zurückgezahlt werden.

„Wegen der teuren Grundstücke in Großstädten können sich auch viele Normalverdiener kein Eigentum leisten“, argumentiert Hendricks. „In besonders nachgefragten Lagen müssen wir deshalb auch besondere Maßnahmen ergreifen.“ Viele Familien wären in der Lage, Tilgung und Zinsen zu leisten.

Hendricks will keine Immobilienblase

„Schließlich haben sie bislang auch Miete bezahlt“, erläutert Hendricks. Doch weil die Familien Mieten bezahlten, können sie kein Eigenkapital bilden. Allerdings sollen gezielt nur Familien gefördert werden, die die Tilgung und Zinsen auch bezahlen können. „Dies ist wichtig, denn wir wollen keine Immobilienblasen verursachen, weil wir Menschen fördern, die die Finanzlast eines Immobilienkaufs nicht dauerhaft stemmen können.“

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt die Schieflage im Immobilienmarkt. „In den vergangenen Jahren konnten sich nur die besser verdienenden oberen 40 Prozent der Haushalte Immobilien leisten, während bei den unteren 20 Prozent der Einkommen die Eigentumsquote sogar gesunken ist“, sagte der IW-Immobilienexperte, Michael Voigtländer, dieser Redaktion. Die Wohneigentumsquote stagniere.

47,5 Prozent der Deutschen wohnen zur Miete

„Haushalte brauchen rund 50.000 Euro, um überhaupt eine Immobilie zu erwerben. Doch nur 20 Prozent der Mieter verfügen über ein solches Finanzpolster“, meinte Voigtländer. Damit sei vielen Mietern der Weg zur Eigentumsbildung versperrt. Nicht nur Banken verlangten Sicherheiten, auch die Erwerbsnebenkosten – wie Grunderwerbssteuer, Notar oder Grundbucheintragung – seien hoch.

In Deutschland ist die Eigentumsquote im Gegensatz zu vielen europäischen Staaten seit Jahrzehnten niedrig. Nur 52,5 Prozent der Bundesbürger leben in den eigenen vier Wänden – und damit so wenige wie in keinem anderen EU-Mitgliedsland. 47,5 Prozent der Deutschen wohnen zur Miete, wie das Europäische Statistikamt in seinen jüngsten Zahlen von 2015 berichtet.

Höchste Eigentumsquote in Rumänien

Zum Vergleich: In den EU-Mitgliedstaaten leben durchschnittlich 70,1 Prozent der Bürger in einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung. Am höchsten ist die Eigentumsquote in Rumänien mit 96,1 Prozent. Niedriger als in Deutschland liegt die Eigentumsquote in Europa nur in der Schweiz mit 44 Prozent – einem Nicht-EU-Mitglied.

Auch die Union setzt sich für bezahlbares Wohnen ein. So spricht sich die CSU in ihrem neuen Wahlprogramm für eine „Familien-Eigenheim-Förderung“ ab 2019 aus. Familien, die ein Eigenheim erwerben und darin wohnen, sollen jedes Jahr pro Kind 1200 Euro vom Staat erhalten – zehn Jahre lang. Dies einspreche einem Zuschuss von 12.000 Euro pro Kind. Geschätzte Kosten für die nächste Legislatur bis 2021: Rund 2,2 Milliarden Euro. Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder plädiert für ein „Baukindergeld“, ohne die Höhe zu beziffern.

Bis 2005 gab es staatliche Programme

In großem Stil wurde zuletzt bis 2005 mit einer staatlichen Eigenheimzulage der Wohnungsbau von Familien gefördert. Aktuell erhalten gering verdienende Eigentümer Arbeitnehmersparzulagen, Wohnungsbauprämien und Wohn-Riester-Zuschüsse. Zudem gibt es staatliche Förderungen unter anderem für Gebäudesanierungen und altersgerechte Umbauten über Kreditprogramme der KfW.

Wirtschaftsforscher begrüßen Hendricks’ Pläne. „Man muss über Wege nachdenken, die Barrieren zur Eigentumsbildung zu senken“, ist Voigtländer vom arbeitgebernahen IW überzeugt. „Eine Eigenkapitalzulage wäre ein sehr teures Programm. Die Erleichterung könnte auch über staatlichen Garantien erfolgen oder über die Senkung der Grunderwerbssteuer für mittlere Einkommen.“

Beitrag zur Verteilungsgerechtigkeit

Gustav Horn, Direktor des IMK der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hält eine Eigenkapitalförderung für „sinnvoll angelegtes“ Geld. „Immobilienbesitz ist heute eine der größten Quellen der Reichtums- und Vermögensvermehrung. Damit wäre dies auch ein Beitrag zur Verteilungsgerechtigkeit, um der Mittelschicht die Möglichkeit zu geben, Vermögen zu erwerben.“