Podgorica/Sarajevo

In Montenegro kursieren Gerüchte über Putschversuch

Interessen des Westens und Russlands stehen im Hintergrund

Podgorica/Sarajevo. Seit Montag findet in Montenegro eine Katastrophenschutzübung unter Nato-Führung statt. 32 Staaten und 680 Personen sind involviert. Das Balkanland mit 625.000 Einwohnern will zeigen, dass es auf die bevorstehende Nato-Mitgliedschaft vorbereitet ist. Die Übung soll wohl auch ein Signal an Moskau senden. Die montenegrinische Regierungspartei DPS und die Staatsanwaltschaft behaupten, dass eine Gruppe von prorussischen Serben am 16. Oktober, dem Tag der Parlamentswahlen, einen Putsch gegen die Regierung in Montenegro geplant habe. Moskau soll seine Finger mit im Spiel gehabt haben.

Angesichts der spärlichen Fakten, der verschiedenen Verschwörungstheorien und Interessen und der politisch abhängigen Justiz scheint eine Aufklärung unmöglich. Manche denken, dass der „starke Mann“ Montenegros, Milo Djukanovic, und seine Leute den Putschversuch selbst inszeniert hätten, um Angst zu schüren, die Wahl zu gewinnen und die Opposition zu kriminalisieren.

Der in Montenegro festgenommene serbische Ex-Gendarmeriechef Bratislav Dikic behauptet etwa, ihm sei ein Schlüssel für ein Waffendepot in seine Tasche geschwindelt worden – die ganze Sache sei inszeniert. Djukanovic wiederum sagt, die prorussische Partei Demokratische Front sei an dem Plot beteiligt gewesen. Sicher ist: Djukanovic will mithilfe des Westens an der Macht bleiben. Weil die Fäden in Montenegro bei ihm zusammenlaufen, sind auch alle – der Westen wie Russland – auf ihn angewiesen.

Die Nato ist in erster Linie daran interessiert, die Lücke zwischen den Nato-Staaten Kroatien und Albanien an der Adriaküste zu schließen – 250 Kilometer gehören zu Montenegro. Russland ist darüber mehr als verärgert. Das Außenministerium in Moskau nannte den Nato-Beitritt Montenegros einen „konfrontativen Schritt“, der zu einer weiteren Destabilisierung führen werde. Wegen der Schwäche der EU, der unklaren Ausrichtung der USA, der stärkeren Präsenz der Golfstaaten, der Bestrebungen der Türkei und der geopolitischen Spiele Russlands ist ein heftigeres Gerangel auf dem Balkan, etwa in Mazedonien und in Bosnien-Herzegowina, zu spüren – nur Albanien und der Kosovo gelten als klar prowestlich.