Politik

Trainingslager mit Geisternetzen

Kleiner Wurf: Die Ausstellung „Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom“

Also Koks ist das nicht, was wir da als weißes Pülverchen unter dem Mikroskop sehen. Sondern Mikrokügelchen, die wir uns immer dann ins Gesicht oder auf den Körper reiben, wenn wir uns peelen. Wir starren noch einmal durch das Vergrößerungsglas. So haben wir das nie gesehen. Weg mit dem Plastik, versprochen, sonst schwimmen die Kügelchen bald im Meer, das immer stärker verschmutzt.

Das also ist die Ausstellung, die richtungsweisend sein soll für die künftigen Präsentationen im Humboldt Forum: „Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom“ heißt sie, Blockbuster-verdächtig ist das Thema sicher nicht, doch durchaus klug gemacht, spielerisch, animierend wie es eben sein sollte in einem modernen Ausstellungshaus.

MacGregor und sein Team haben ein außereuropäisches Thema gewählt, es mit dem Humboldtstrom an die Namensgeber der Berliner Universität, die Berliner Forscherbrüder, angeschlossen. Das kalte, nährstoffreiche Gewässer vor Peru gehört zu den fischreichsten der Erde – während die Küstenregion zu den trockensten Wüsten weltweit zählt. Die Schau möchte vermitteln, wie sich Mensch und Natur an diese unberechenbare Umwelt angepasst haben – und mit welchen Folgen wir heute zu kämpfen haben. El Niño – ein anderes Wort für Globalisierung. Meeresströmungen wie der Humboldtstrom bestimmen das Weltklima und transportieren jede Menge Müll. Schon sind wir bei den Peelingkugeln. Alles fließt.

Auf zwei Stockwerken in der Humboldt-Box gibt es die unterschiedlichsten Dinge zu sehen, zu hören und zu bestaunen. Eine Art Trainingslager, eine Mischung aus Naturkunde-, Kommunikationsmuseum und Labor. Videos, Medientische zum Vertiefen einzelner Objekte, die klassischen Vitrinen mit den Artefakten, der Aura des Originals. Schmuck, Kielschwerter, in Formaldehyd gebettet jeweils eine pazifische Sardelle und eine südamerikanische Sardine. Und dort die gigantischen Geisternetze, in denen sich in Meerestiefe der Dreck verfängt, stille Killer der Meere.

Der zweite Stock kommt sehr pädagogisch-didaktisch daher, auf einfache, bildhafte Art wird der Besucher belehrt, wenn es um Umweltverschmutzung geht. Der Eissturmvogel aus dem Wattenmeer mutiert zum Müllschlucker, nun ist er tot und ausgestopft. Sein Mageninhalt passt in einen Suppenteller. Das größte Exponat ist ein Taschenfeuerzeug.

Humboldt-Box, Schlossplatz 5. Tgl. geöffnet. 10–19 Uhr. Dez.–Feb. 10–18 Uhr. Bis 26. Februar. Eintritt frei. Führungen: Fr./Sbd. 15 Uhr.