Übergriff

Rechtsextreme jagen in Bautzen offenbar Flüchtlinge

Rechtsextreme haben in Bautzen offenbar zwei Flüchtlinge in der Öffentlichkeit angegriffen. Die Polizei will nichts mitgekriegt haben.

In Bautzen zeigen sich Rechtsextreme immer wieder in der Öffentlichkeit. Dieser Demonstrant wurde am Kornmarkt in Bautzen von der Polizei kontrolliert.

In Bautzen zeigen sich Rechtsextreme immer wieder in der Öffentlichkeit. Dieser Demonstrant wurde am Kornmarkt in Bautzen von der Polizei kontrolliert.

Foto: Christian Essler / dpa

Berlin.  Im sächsischen Bautzen haben nach einem Medienbericht Rechtsextreme Flüchtlinge angegriffen. Demnach hätten sich etwa 40 bis 50 Rechte am Dienstag auf dem Holzmarkt versammelt und zwei Geflüchtete gejagt. Polizisten wären vor Ort gewesen, hätten aber nicht eingegriffen.

Zeit Online berichtet, dass einer der Flüchtlinge bei dem Angriff vom Fahrrad gerissen und mit einem Stein beworfen wurde. Beiden Flüchtlingen sei es aber gelungen wegzulaufen. Die Polizei habe eine der beiden Personen mitgenommen, hieß es. Später hätten die Rechtsextremen wieder am Holzmarkt gesessen und laut Musik gehört. Zeit Online berichtet, dass einer ihrer Reporter zufällig Zeuge des Vorfalls geworden sei.

Die Polizei-Version

In Widerspruch zu dem Bericht von Zeit Online sagte die Polizei von Bautzen unserer Redaktion, dass es „nach polizeilichen Kenntnissen keine Hetzjagd“ gegeben habe. Auch in allen weiteren Aspekten widerspricht die Darstellung der Polizei dem Bericht von Zeit Online. Demnach hätten sich den zwei Flüchtlingen eine Gruppe von zehn bis 15 Personen vom Holzmarkt aus genähert. Im Zuge dessen sei ein Stein auf einen der Flüchtlinge geworfen worden und habe diesen am Bein getroffen.

Die Polizei sei unmittelbar gegen diese Gruppe vorgegangen, woraufhin diese sich in die Seitenstraßen verteilt habe. Später kontrollierte die Polizei mehrere Personen und leitete Ermittlungsverfahren ein. Ob es sich bei diesen Personen um die gleichen wie bei dem Vorfall auf den Kornmarkt handele, sei aber unklar.

Grünen-Politiker warnt vor Rechtsextremen

Bereits früher am Tag hatten rund acht Männer drei Asylbewerber und zwei deutsche Frauen auf dem Holzmarkt bedroht, berichtet die Polizei. Dabei zielten aus der Männergruppe zwei Personen „mit einem pistolenähnlichen Gegenstand“ auf die Asylbewerber. Dabei könnte es sich um eine Schreckschusspistole gehandelt haben.

Der sächsische Grünen-Innenpolitiker Valentin Lippmann verlangte präzise und neutrale Informationen der Polizei über Straftaten: „Offensichtlich werden als Problem vor Ort nicht die starken rechtsextremen Tendenzen und deren gewalttätige Manifestation gesehen, sondern die Geflüchteten.“

Verleumderische Gerüchte

Am Montag hatte in Bautzen außerdem ein weiterer Fall für Aufregung gesorgt. Die rechtsgerichtete „Bürgerbewegung Bautzen“ verbreitete auf Facebook das Gerücht weiter, mehrere Flüchtlinge würden in der Innenstadt für Unruhe sorgen wollen. Selbst vor einer Bombe, die an einer unbekannten Stelle explodieren solle ist die Rede. Einer Überprüfung durch die Polizei konnte dieses Gerücht nicht standhalten. Polizeisprecher Thomas Knaup sprach von „heißer Luft“. Auf ihrer Facebook-Seite hetzt die Bürgerplattform gegen den Islam und bezeichnet das SPD-regierte Nordrhein-Westfahlen als „Kalifat“.

Bautzen war im September in die Schlagzeilen geraten, als es zu einer Konfrontation zwischen Rechtsradikalen und Flüchtlingen auf dem Holzmarkt gekommen war. Auch damals wurden Flüchtlinge von Rechten durch die Stadt gejagt. (JS mit dpa)