NSU-Ausschuss

V-Mann „Corelli“ sollte unter Falschnamen beerdigt werden

Mit nur 39 Jahren war V-Mann „Corelli“ gestorben. Jetzt kam raus: Der Verfassungsschutz hatte ihn eigentlich heimlich beerdigen wollen.

Vor dem NRW-Landtag sagte die Abteilungsleiterin Rechtsextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz aus. Sie musste sich auch zum Fall „Corelli“ äußern.

Vor dem NRW-Landtag sagte die Abteilungsleiterin Rechtsextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz aus. Sie musste sich auch zum Fall „Corelli“ äußern.

Foto: Ina Fassbender / dpa

Düsseldorf.  Der mysteriöse V-Mann „Corelli“, der dem Verfassungsschutz den ersten Hinweis auf die Terrorgruppe NSU gegeben haben soll, sollte still und leise unter falschem Namen beerdigt werden.

Der Verfassungsschutz habe das Interesse gehabt, die Legende aufrecht zu erhalten, sagte die Abteilungsleiterin Rechtsextremismus des Bundesamtes für Verfassungsschutz am Freitag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags in Düsseldorf.

„Corelli“ lebte unter falschem Namen in NRW

Auf die Frage, wie die Angehörigen vom Tod erfahren hätten, sagte die Zeugin: „Schwierig.“ Die Medien-Veröffentlichung vom Tod der einstigen Top-Quelle habe den Plan aber hinfällig werden lassen.

„Wenn es den „Spiegel“-Artikel nicht gegeben hätte, wüssten die Angehörigen vermutlich heute noch nichts“, sagte die Obfrau der Grünen, Verena Schäffer.

Der Rechtsextremist aus Sachsen-Anhalt lebte unter falschem Namen in einem Zeugenschutzprogramm in NRW im Raum Paderborn. Die NRW-Behörden hätten bis zum Tod des V-Manns davon nichts gewusst, sagte die Zeugin weiter.

Mysteriöser Tod

Die Nachrichtendienstlerin räumte ein, dass der Entwurf der nachträglichen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft zum Tod „Corellis“ in Absprache mit dem Verfassungsschutz geändert worden sei, so dass die Behörde darin nicht mehr konkret genannt wird und auch nicht mehr von einem V-Mann die Rede ist. „Weil wir als Bundesamt in der Öffentlichkeit so nicht auftreten wollten“, sagte die Zeugin auf Nachfrage.

„Corelli“ war in Paderborn im April 2014 im Alter von 39 Jahren tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. An der zunächst festgestellten Todesursache, einer unerkannten Diabetes, sind inzwischen Zweifel aufgetaucht und erneut Untersuchungen eingeleitet worden.

Vernehmung von Mitarbeiterin erst verweigert

Die Obleute des Ausschusses hatten kritisiert, dass Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen die öffentliche Vernehmung seiner Mitarbeiterin zunächst verweigert habe. Ein Sprecher des Inlandsdienstes wies dies zurück: Der Untersuchungsausschuss habe erst am 5. Oktober einen Beweisbeschluss gefasst, der sich „endlich innerhalb seines Untersuchungsauftrags bewegt“. Das Bundesamt unterstütze die Aufarbeitung der Mordserie weiterhin „in vollem Umfang“.

Der Landtagsausschuss untersucht die Verbrechen und Aktivitäten des rechtsterroristischen NSU in Nordrhein-Westfalen mit Blick auch auf etwaige Verbindungen zur rechten Szene in NRW.

V-Mann „Corelli“ soll während seiner Zeit in der rechten Szene Sachsen-Anhalts dem Verfassungsschutz den ersten Hinweis auf die Existenz der Terrorgruppe gegeben haben. (dpa)