Whistleblower

Snowden „enttäuscht“ über Asyl-Absage der Bundesregierung

In einer Video-Schalte rechnet Edward Snowden mit der deutschen Regierung ab. Es sei „bedauerlich“, dass er hier kein Asyl bekomme.

Edward Snowden in einer Video-Schalte auf einer Konferenz in New York im vergangenen September. Auch in München war er nun wieder zugeschaltet.

Edward Snowden in einer Video-Schalte auf einer Konferenz in New York im vergangenen September. Auch in München war er nun wieder zugeschaltet.

Foto: © Brendan McDermid / Reuters / REUTERS

Berlin.  Whistleblower Edward Snowden ist enttäuscht, dass die Bundesregierung ihm bislang keinen Schutz in Deutschland gewährt. Es sei „bedauerlich“, dass die deutsche Regierung in dieser Sache nichts für ihn tue, obwohl sie wisse, dass durch seine Enthüllungen niemand zu schaden gekommen sei, sagte der ehemalige CIA-Mitarbeiter am Mittwoch in einem Video-Interview. Besonders enttäuschend sei, dass Berlin befürchte, die USA könnten Deutschland bestrafen, wenn Berlin ihm Schutz böte.

Bei der Frage nach politischem Asyl stehe aber die Wahrung der Menschenrechte auf dem Spiel: „Wie will Deutschland China die Stirn bieten, wenn ein ähnlicher Fall eintritt?“, sagte Snowden. „Menschenrechte sind keine Spielchips, mit denen man handeln kann.“

Größte Geheimdienstaffäre der vergangenen Jahre

Die Video-Schalte mit Edward Snowden war Teil des „Editor’s Lab“, zu dem die „Süddeutsche Zeitung“ mit dem „Global Editors Network“ Journalisten aus mehreren Ländern nach München eingeladen hatte.

Edward Snowden hat eine der größten Geheimdienstaffären der vergangenen Jahrzehnte ans Licht gebracht. Der Computerspezialist gab im Jahr 2013 Tausende Dokumente der National Security Agency (NSA) an Journalisten weiter. Er enthüllte eine massive Internet-Überwachung durch den US-Geheimdienst und löste weltweit politische Konsequenzen aus. Seit 2013 lebt er in Russland im Exil. In den USA wird Snowden wegen Geheimnisverrats gesucht. (dpa)