Berlin

Aufbruch, Versöhnung und ein freier Tag

Nach zehn Jahren Vorbereitungszeit starten die Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum am Montag mit einem Gottesdienst in der Berliner Marienkirche

Berlin. Ausstellungen, Diskussionen, neue Luther-Biografien, Themenjahre, Konzerte, eine ganze Reihe thematischer Gottesdienste: Seit fast einem Jahrzehnt bereitet sich die evangelische Kirche auf das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 vor. Am Reformationstag (31. Oktober) wird das Festjahr nun endlich eröffnet. Protestanten in aller Welt blicken dann auf die 500-jährige Geschichte ihrer Kirche zurück. Zugleich fragen sie, was Reformation und Christsein heute bedeuten in einer Gesellschaft, in der immer weniger Menschen Mitglied einer Kirche sind und die Zuwanderung das Land religiös pluraler macht.

„Ein letztes Fest?“, fragte der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, kürzlich provokativ im Titel eines Gastbeitrags für die Zeitschrift „Publik-Forum“. Die hannoversche Altbischöfin Margot Käßmann, die als Reformationsbotschafterin der EKD für das Jubiläum wirbt, sagte, sie erwarte „einen Aufbruch als Kirchen im 21. Jahrhundert im säkularer werdenden Umfeld“.

Starten sollen die Feierlichkeiten am 31. Oktober mit einem Festgottesdienst in der Marienkirche am Berliner Alexanderplatz. Beim anschließenden staatlichen Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt spricht Bundespräsident Joachim Gauck. Am gleichen Tag geht der Blick ins südschwedische Lund. Dort feiern Papst Franziskus und der Lutherische Weltbund (LWB) zusammen ein ökumenisches Reformationsgedenken.

Ausstellung „Tore der Freiheit“ wird in Wittenberg gezeigt

Anders als bei früheren Jubiläumsfeiern wollen die deutschen Protestanten den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther weder im konfessionellen noch im nationalen Klein-Klein begehen. „Wir werden dieses Jubiläumsjahr international, weltoffen und ökumenisch gestalten“, sagt Käßmann. Claussen schreibt, 2017 sei damit das „erste wirklich aufgeklärte Reformationsgedenken“.

International wird das Reformationsjubiläum unter anderem durch den Europäischen Stationenweg, der für Deutschland am 23. November in Osnabrück eröffnet wird. Er soll durch 68 Orte in 19 Ländern führen, aus denen Impulse für die Reformation ausgingen oder von ihr geprägt wurden. Protestanten aus aller Welt sollen außerdem vom 20. Mai bis 10. September 2017 bei der Weltausstellung „Tore der Freiheit“ in Wittenberg ihre Kirchen und Gemeinschaften präsentieren. Darauf freue sie sich am meisten, sagt Käßmann.

Die ökumenische Dimension zeigte sich bereits bei einer gemeinsamen Pilgerreise von EKD und katholischer Deutscher Bischofskonferenz Mitte Oktober nach Israel und die Palästinensergebiete. „Wir gehören zusammen“, sagte der Bischofskonferenzvorsitzende Reinhard Marx kürzlich in einem Interview. Man könne heute besser mit den Unterschieden umgehen als frühere Generationen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Marx.

Die ökumenische Verbundenheit soll unter anderem in einem Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in Hildesheim ausgedrückt werden. Dass der Papst 2017 zum Reformationsjubiläum nach Deutschland kommen könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Zu den Besuchermagneten im nächsten Jahr wird mit Sicherheit der
36. Deutsche Evangelische Kirchentag gehören, der ins Festjahr fällt. Vom
24. bis 28. Mai werden mehrere Hunderttausend Teilnehmer in Berlin und zum großen Abschlussgottesdienst in Wittenberg erwartet. Parallel werden sechs sogenannte Kirchentage auf dem Weg an historischen Stätten der Reformation in Mitteldeutschland stattfinden, darunter Leipzig, Magdeburg und Erfurt.

Begleitet wird das Reformationsjubiläum von drei staatlich finanzierten Nationalen Sonderausstellungen in Berlin, Eisenach und Wittenberg. Auch in den USA hat das Auswärtige Amt Ausstellungen unterstützt.

Von Beginn an wurde das Reformationsjubiläum nicht nur als kirchliches, sondern auch als Ereignis nationaler
Bedeutung erkannt. Einmalig wird daher der Reformationstag 2017 für alle
Deutschen ein arbeitsfreier Feiertag sein.

Zum Abschluss des Festjahres findet am 31. Oktober 2017 nochmals ein großer Gottesdienst statt – in Wittenberg, wo mit dem Mönch Martin Luther (1483–1546) vor dann genau 500 Jahren alles begann.