Kabul

Wieder große Opiumernte in Afghanistan

Unter den größten Profiteuren sind die islamistischen Taliban

Kabul. Auf nur zwölf Seiten ist in dürren Zahlen und einigen Grafiken das wohl größte Versagen aller Beteiligten in Afghanistan seit 2002 verewigt. Am Sonntag hat das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) seinen „Opium-Überblick 2016“ veröffentlicht. Das Faktum: Nach Milliarden der Anti-Drogen-Kampagnen hat Afghanistan wieder eine fette Opiumernte hervorgebracht. Die Botschaft: Das Land wird zum Narko-Staat, die radikalislamischen Taliban werden zu schwerreichen Drogen-Fürsten, die weltgrößte Opiumindustrie wächst weiter – ungehindert.

Die Zahlen sind erschreckend. Die Anbauflächen des Schlafmohns, Basis für das Opium, sind um zehn Prozent gewachsen, auf etwa 201.000 Hektar. Nur 2013 und 2014 gab es mehr Schlafmohnfelder in Afghanistan. Hauptlieferant ist nach wie vor die bitter umkämpfte Provinz Helmand. Aber auch im Norden, wo in vielen Provinzen lange die Bundeswehr stationiert war, explodiert der Anbau. Die Mohnfelder haben sich hier mehr als verdreifacht.

Seit Jahren ist der afghanische Opiumertrag, mit gelegentlichen Ausreißern nach unten, kontinuierlich gestiegen – von 3276 Tonnen im Jahr 2000, über 5800 Tonnen im Jahr 2011, auf 6400 Tonnen im Jahr 2014. 2015 war die Ernte stark eingebrochen, vor allem wegen Pflanzenkrankheiten. Das hat aber nur dazu beigetragen, in diesem Jahr Preise und Nachfrage nach oben zu treiben. Um die 4800 Tonnen Opium könnte die Ernte bringen. Es ist kein Zufall, dass es mehr Opium gibt, seit die radikalislamischen Taliban 2006 ihr Comeback begonnen haben. Sie sind Teil der Drogenmafia. In der Provinz Helmand kontrollieren sie mittlerweile 85 Prozent der 14 Bezirke – und damit Anbaugebiete und Schmuggelrouten.

( dpa )

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