Analyse

Warum Trump der unfähigste Kandidat seit 100 Jahren ist

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Hautkapp
Donald Trump ließ in der dritten und letzten TV-Debatte offen, ob er das Wahlergebnis anerkennen wird. Das hatte es in 240 Jahren nicht gegeben.

Donald Trump ließ in der dritten und letzten TV-Debatte offen, ob er das Wahlergebnis anerkennen wird. Das hatte es in 240 Jahren nicht gegeben.

Foto: Jim Lo Scalzo / dpa

Die dritte TV-Debatte begann zivilisiert. Dann wurde sie ein Desaster. Donald Trump gräbt ohne Not den Graben in den USA noch tiefer.

Washington.  Drei Fernseh-Debatten - ein Resultat. Donald Trump ist der unfähigste und unerträglichste Präsidentschaftskandidat, den Amerika in den vergangenen 100 Jahren erdulden musste.

Was der New Yorker Bau-Unternehmer und Selbstvermarkter intellektuell und stilistisch in Las Vegas ablieferte, beleidigt jede durchschnittliche Intelligenz.

Der von Trump inflationär auf seine Widersacherin gemünzte Begriff „Desaster“ - hier trifft er vollumfänglich zu.

Der Job im Weißen Haus ist eine Nummer zu groß

Wieder hat der von seiner eigenen republikanischen Partei längst verstoßene Seiteneinsteiger bewiesen, dass der Job im Weißen Haus für ihn fünf Nummer zu groß ist.

Außer Plattitüden, Gemeinheiten, Lügen und schlechter Laune hat der 70-Jährige nicht viel zu bieten. Auf Trump trifft leider immer noch dieser Satz zu: Es reicht nicht, keinen einzigen sinnhaften Gedanken im Kopf zu haben. Man muss auch noch unfähig sein, ihn auszudrücken.

In der zu Beginn unerwartet zivilisiert gelaufenen Auseinandersetzung (Trump wirkte sediert, Hillary Clinton dagegen hellwach) erwies sich die demokratische Bewerberin jederzeit als faktensichere, inhaltlich sprachfähige und zugleich angriffslustige Kandidatin. Kurzum: als präsidiabel. Mit strahlendem Lächeln watschte sie ihr Gegenüber ein ums andere Mal elegant ab. Darauf war Trump erkennbar schlecht vorbereitet.

New Yorker äußern sich zur TV-Debatte
New Yorker äußern sich zur TV-Debatte

Substanz hier, Gestammel dort

Zwischen Clinton und Trump lag bei der Behandlung der durchweg relevanten Fragen ein Klassenunterschied. Substanz (egal, ob man sie politisch goutiert oder nicht) bei ihr. Leerformeln, Gestammel und Macho-Gebalze bei ihm. Was der Milliardär zu Themen wie Nato und Atomwaffen verzapfte, war alarmierend undurchdacht.

Der hervorragende Moderator Chris Wallace förderte während des 90-minütigen Schlagabtauschs mit präzisem Intervenieren einige „Perlen“ zutage.

So ist Trump ernsthaft gewillt, das seit über 40 Jahren für sozialen Frieden sorgende Recht auf Abtreibung vom Obersten Gerichtshof kippen zu lassen - nachdem er dort ausreichend konservative Richter installiert hat. Danach soll jeder Bundesstaat nach eigenem Gutdünken handeln. Was für ein rückwärtsgewandter Tabubruch!

Bruch mit einer 240 Jahre alten Tradition

Und es kommt noch schlimmer. Obwohl der komplette Geheimdienst-Apparat der USA (immerhin 17 Organisationen) Russlands Herrscher Putin als Regisseur für E-Mail-Leaks identifiziert hat, die nahezu täglich den US-Wahlkampf „bereichern“, hält Trump dem Kreml-Herrscher willfährig die Stange. Tenor: Ich glaub nicht, dass er’s war.

Die absolute Krönung des Absurden: Der Mann, der sich durch erwiesene Ignoranz und beisspiellose Aussetzer in fast allen Umfragen in die Verlierer-Position gewütet hat, behält sich tatsächlich vor, ob er im Falle einer Niederlage das Wahlergebnis anerkennen wird.

So etwas was hat es in 240 Jahren Demokratie-Geschichte in Amerika noch nicht gegeben.

Donald Trump schüttet fahrlässig Öl in ein gefährliches Feuer. Seit Tagen strickt er an der Erzählung, die Wahl am 8. November sei ein einziger Betrug und eine „globale Verschwörung“ mit Clinton als Spinne im Netz sei finster entschlossen, ihm den Erfolg zu rauben.

Wann ist der politische Alptraum endlich vorbei?

Wer so unverantwortlich im Stil einer Dolchstoß-Legende spricht, erfüllt nicht einmal die Mindestanforderung Hausmeister im städtischen Schwimmbad zu werden.

Donald Trump hat vor einem Millionen-Publikum den Graben, der die extrem polarisierte Gesellschaft Amerikas teilt, ohne Not noch weiter vertieft.

Allein dafür verdient er, am 8. November abgestraft zu werden. Man zählt die Stunden, bis dieser politische Alptraum endlich vorbei ist.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos